Pribaikalskij Nationalpark

Der 1986 gegründete Pribaikalskij Nationalpark reicht von Kultuk an der Südwestspitze  bis zum Kocherikovsky Kap und schliesst das Olkhoner Plateau, die Osthänge des  Primorski-Gebirges und die gesamte Insel Olkhon und die Felsinseln vor dem Maloe  More ein. Die Fläche umfasst 418.000 ha. Innerhalb des Parkes gibt es 54 Naturdenkmäler:  22 geologische, 2 botanische, 10 zoologische, 8 aquatische und 12 komplexe Objekte. Zu den zoologischen Denkmälern zählt das Brutgebiet der Silbermöwe auf den Felsinseln  am Maloe More in der Nähe der Biologischen Station der Irkutsker Pädagogischen  Universität. Der Nationalpark liegt an einer wichtigen Zugstrecke für Vögel und so sind hier rund 300 Vogelarten beobachtet worden. Die Reliefunterschiede im Gebiet des Nationalparks sind sehr groß: von 456 m bis auf 1542m Höhe. Die  Kernzone des Pribaikalskij Nationalparks ist auch ohne Erlaubnis zugänglich, denn das Dorf Sarma, das in der streng geschützten Kernzone liegt, existierte bereits schon vor Einrichtung des Parkes. Dagegen ist das Betreten der Kernzone  auf Olkhon, ebenfalls im Pribaikalskij Nationalpark, ohne Genehmigung verboten.

 Maloe More und Sarma

Die Sarma ist der größte Zufluss zum "Maloe More" - der von der Insel Olkhon eingeschlossenen Bucht im Baikal. Im Unterlauf folgt sie einer Verwerfung, die  senkrecht zur Nordost - Südwest-Lage des Baikals verläuft und schneidet sich  damit durch das Primorski-Gebirge, welches parallel zur Baikalküste verläuft. So fließt die Sarma durch eine Schlucht, bevor sie an ihrem weiten Delta in  den Baikal mündet. Da das Delta für den vergleichsweise kleinen Fluss so weit  ist, nimmt man an, dass früher mehr Zuflüsse in diesem Delta in den Baikal flossen. Aus derselben Richtung weht auch der gleichnamige Wind, der Geschwindigkeiten  bis zu 40 km/h erreichen kann. Durch den starken Wind ist das Delta im Winter schneefrei und wird als Winterweide genutzt. Durch die fehlende Schneebedeckung  fehlt auch eine Isolation, sodass der Boden so weit zufriert, dass bei der Schneeschmelze  in den Bergen des Primorkskij Gebirges nicht eindringen kann und zu Überschwemmungen  des Deltas führt, die bei Frost zu ausgedehnten Eisflächen werden. Dem Felsen am Eingang zur Schlucht sagt man nach, Ähnlichkeit mit einer alten Burjatin  zu haben. Nach burjatischem Glauben war es früher Frauen im fruchtbaren Alter  verboten, die Schlucht zu betreten. Als Strafe für eine Nichtbefolgung wehte der eben genannte Wind. Der Eintritt in die Schlucht wurde mit einer großen, steinernen Opferstelle und einer Mauer markiert. Einer Legende nach soll früher die Sarma der einzige Zufluss zum Baikal gewesen sein und soll auch der Weg  gewesen sein, über den die Baikalrobbe vom Meer in den See gekommen ist. Eine weitere Legende besagt, dass im Bett der Sarma früher die Lena, die heute keine  Verbindung zum Baikal hat, hier aus dem Baikal floss. Am Granatfelsen am Ufer  der Sarma in der Schlucht des Flusses steht an der Oberfläche Granat-Glimmerschiefer an. Dabei handelt es sich um ein metamorphes Gestein. Metamorphe Gesteine entstehen  aus Sedimentgesteinen oder magmatischen Gesteinen unter Einfluss von erhöhtem Druck und Temperatur. Bei einer bestimmten Kombination der Intensität von Druck  und Temperatur und eventuell noch einer gerichteten Bewegung bilden sich neue  Minerale, anhand derer die Entstehungsbedingungen des Gesteins hergeleitet werden können. Die Erhöhung der Temperatur kann durch die Nähe des Ausgangsgesteins zu einem Pluton erfolgen, wobei der Druck hier kaum eine Rolle spielt. Eine  Zunahme der Temperatur und des Drucks kommt bei einer Versenkung des Ausgangsgesteines  in die Erdkruste vor, etwa bei einer Gebirgsbildung. Beim Abtauchen einer ozeanischen Kruste unter eine kontinentale spielt dagegen die Druckzunahme eine größere  Rolle als die Temperaturerhöhung. Der Granat-Glimmerschiefer entsteht unter einer von Temperatur- und Druckerhöhung gleichermaßen betroffenen Metamorphose unter mittlerer Temperatur (550-650°C) und einem Druck zwischen 6 und 8 bar  (entspricht einer Tiefe von 20-25 km) aus einem Tonstein als Ausgangsgestein.  Granat bezeichnet eine ganze Gruppe von Silikat-Mineralen, deren chemische Zusammensetzung  sich durch XII3YIII2(SiO4)3 bezeichnen lässt. XII steht dabei für eines der zweiwertigen Metall-Kationen Kalzium, Magnesium, Eisen(II) oder Mangan, YIII für eines der dreiwertigen Metall-Kationen wie Aluminium, Eisen(III), Titan, Vanadium oder Chrom. Strukturell sind Granate Inselsilikate. Sie kristallisieren  im kubischen Kristallsystem, ihre Härte liegt je nach Zusammensetzung bei 6 bis 7,5. Die Farbe ist sehr variabel, häufig aber rotbraun, gelbgrün oder schwarz, nie jedoch blau, während die Strichfarbe weiß ist. Folgende Minerale und ihre  Varietäten (mit nachstehend chemischer Formel) zählen zur Granatgruppe: · Almandin - Fe3Al2Si3O12 · Andradit - Ca3Fe2Si3O12 · Demantoid · Melanit · Grossular - Ca3Al2Si3O12 · Hessonit · Tsavorit · Pyrop - Mg3Al2Si3O12 · Spessartin - Mn3Al2Si3O12  · Uwarovit - Ca3Cr2Si3O12 Granate kommen in massiver Form oder körnig, häufig  aber auch als makroskopische Kristalle vor, die bis zu 700 kg schwer werden können. Die genaue chemische Zusammensetzung steht immer mit jener des umgebenden Gesteins im Zusammenhang: So kommt z. B. der magnesiumreiche Pyrop häufig in Peridotiten und Serpentiniten vor, während grüner Uvarovit vor allem in chromhaltigem  Serpentinitgestein auftritt. Die meisten natürlich gefundenen Schmuckstein-Granate stammen heute aus den USA und aus Südafrika. Neben seinem Wert als Schmuckstein  wird insbesondere künstlich hergestellter Granat wegen seiner Härte auch als Schleifmittel und in feinmechanischen Instrumenten eingesetzt. Yttrium-Aluminiumgranat (YAG) mit etwa einem Prozent Neodym3+-Ionen dient als Laserkristall (Nd:YAG-Laser).  Yttrium-Eisen-Granat (YIG) und Verwandte werden als Mikrowellenferrit in der Hochfrequenztechnik eingesetzt. Schon in der Antike wurden Granate als Schmucksteine genutzt; im Mittelalter waren sie unter dem Namen Karfunkel bekannt - die meisten  stammten damals aus Indien. Besonders populär waren sie aber im 19. Jahrhundert,  als böhmische Pyrope so begehrt waren, dass sie bis nach Amerika verschifft  wurden (http://de.wikipedia.org/wiki/Granat).

Sarma-Fluß in der Sarma-Schlucht

Granateinschlüsse in Glimmer

Biologische Station der Pädagogischen Universität Irkutsk in Sarma

Am Sarma-Delta liegt die biologische Station, die 1976 von der Pädagogischen Universität Irkutsk gegründet wurde. Seit 1980 werden hier ornithologische Studien  vor allem zum Vogelzug betrieben. Im Besonderen wird der Zug von Larus argentatus untersucht, der Silbermöwe, die auf den Felsinseln gegenüber dem Sarma-Delta sommers in einer Kolonie brüten und zum überwintern nach Südostasien fliegen.  Neben den Ornithologen nutzen auch Botaniker diese Station als Forschungsquartier  und des weiteren finden Untersuchungen zum Omul und seiner Nahrungsgrundlage  statt. Weiteres Untersuchungsgebiet der Pädagogischen Universität sind die Seen der Tazheranskaja Steppe, in welchen neue Wirbellosenarten beschrieben worden sind. Forschungsschwerpunkt der Station am Sarma-Delta bildet die Beobachtung  der Silbermöwe. Ihre Zugroute soll durch Beringung und Auswertung der von anderen  Stationen über die zentrale Stelle in Moskau zurückgesendeten Ringe dokumentiert werden. Interessant an der Silbermöwe sind die vielen Populationen, die untereinander  kaum im Austausch stehen, obwohl sie größtenteils nicht räumlich voneinander  getrennt sind. Deshalb wird die Art in Unterarten eingeteilt, die zusammenfassend als "Larus-argentatus-Komplex" bezeichnet wird. Es gibt auch Auffassungen, diesen Komplex wegen ihrer teilweise geographischen Isolation voneinander in drei Arten aufzuteilen. Anfang Juli werden die Küken und auch die adulten Möwen beringt.  Enten werden auch mit Halsbändern markiert, was die Beobachtung mit dem Fernglas ermöglicht und nur so eine Aussage darüber erlaubt, mit welcher Häufigkeit derselbe  Nistplatz aufgesucht wird. Auf dem Gelände der Station befand sich eine Fischvermehrungsanlage, die 1962 gebaut wurde. Die Gründe, weshalb die Fischaufzucht in den Anlagen  stattfand, war zum einen der Rückgang des Omuls in den 1950iger Jahren nachdem  es wegen Umstieg auf Fischerei mit Motorbooten zur Überfischung kam und zum anderen war es wegen der Aufstauung der Angara beim Bau des Irkutsker Kraftwerkes  zu einem Anstieg des Wasserspiegels des Baikals gekommen, wodurch der Uferbereich zerstört wurde, an dem Futterfische für die Raubfische ihr Habitat haben. Die  Nahrungsgrundlage für diese Raubfische nahm ab und in Folge dessen auch die  Raubfischpopulation. Durch die Aufzucht der Fischeier wollte man diesen Rückgang  kompensieren.

Olkhon

Die Insel Olkhon liegt im mittleren der drei Becken des Baikals, wo der See  am breitesten ist. Der Name "Olkhon" stammt aus dem burjatischen und wird übersetzt mit "Kleiner Wald". Sie ist mit 72 km Länge und bis zu 15 km Breite die größte der insgesamt 22 Inseln des Baikals. Ihre Fläche beträgt 730 km2, was der Größe  der Insel Madeira entspricht. Mit ihrer Längsseite schließt sie zusammen mit  der Westküste des Baikals die Bucht "Maloe More" ab - das kleine Meer. Hier  ist das Wasser nur zwischen 50 und 100 m tief und kann deshalb im Sommer Temperaturen bis zu 23°C erreichen. Aufgrund der hohen organischen Produktion zählt das Maloe More zu den Hauptfischfanggebieten. Die Insel ist in den Sommermonaten mit der  Fähre zu erreichen und im Winter bei fester Eisdecke kann die Entfernung zum  Festland mit Fahrzeugen überbrückt werden. In den Monaten der Eisbildung und  Eisschmelze ist die Insel allerdings abgesehen vom Verkehr mit Hubschraubern  und Flugzeugen vom Festland abgeschnitten.

Entstehung, Relief und Geologie

Die Insel Olkhon hat sich als Folge der tektonischer Aktivität im Baikal gebildet. Olkhon ist der nördliche Teil der sog. Tazheransker Scholle und ist vom Festland durch die Nord-Ost gerichtete Primorskij-Verwerfung getrennt. Insgesamt ist  die Insel nach Nordwest geneigt und ein Teil des Olkhon-Blockes ist unter Wasser. Das ist der Grund, weswegen das Maloe More eine geringe Tief hat.

Die Inselfläche steigt nach Osten hin an und endet mit einer Steilküste auf  der Ostseite, die entlang einer weiteren Verwerfungslinie, der Morskij -Verwerfung, verläuft und im 45° Winkel in den Baikal abtaucht. Hier ist der höchste Punkt  der Insel, der Berg Zhima mit 1276 m und wenige Kilometer vom Ufer entfernt  befindet sich mit 1642 m der tiefste Punkt des Sees. Das Relief der Insel wird  durch parallel verlaufende Wälle aus kambrischen Gneisen und Graniten geprägt.  Zwischen den Graniten und Gneisen ist Kalkstein gelagert, der wegen seiner relativ  geringeren Härte herausgewittert ist und jetzt Vertiefungen zwischen den Rücken bildet. Diese Rücken sind deutlich bei der Überfahrt mit der Fähre nach Olkhon zu erkennen. Aus dem Kalkstein-Dolomit sind die heiligen Stellen des Olkhons, der Burchan-Felsen und der Fels am Kap Khoboi gebildet.

Klima

Die vorherrschende Windrichtung in der Baikalregion ist Nordwest. Der Baikal und die umliegenden Gebirge sind senkrecht zu dieser Windrichtung nach Nordost  ausgerichtet. Das führt zu einer starken Ungleichverteilung der Niederschläge im Luv- und Leebereich von Gebirgen. Am Luv der Gebirge ist der Niederschlag  hoch für die kontinentale Region, bis zu 1200 mm und im Bereich des Baikalbeckens,  welches in Lee des Baikalgebirge liegt, sehr niedrig. Die Luftfeuchtigkeit regnet sich beim Aufstieg der Luftmassen über dem Primorskij - Gebirge am Westrand  des Baikals bereits ab, weshalb es auf Olkhon extrem niederschlagsarm ist: die Jahremittel liegen auf der Insel um die 200 mm. (zum Vergleich Süddeutschland:  hier liegt der Niederschlag bei 800mm). Die Maxima entfallen auf die Sommermonate,  in den Monaten Oktober bis März fällt zusammengenommen weniger Niederschlag  als im August. Die geringe Luftfeuchtigkeit bedeutet auch geringer Bewölkungsgrad,  weshalb auf Olkhon mehr Sonnenstunden im Jahr gezählt werden als am Schwarzen  Meer, welches als Mekka der sonnendurstigen russischen Urlauber gilt. Einer  der häufigen Winde auf Olkhon ist nach dem Fluss am gegenüberliegenden Westufer benannt: Sarma. Er kommt als Fallwind vom Baikalgebirge und weht durch das Sarma-Tal über den Baikal mit einer Windstärke bis zu 40m/s.

Böden

Die Verbreitung und Genese der Böden auf Olchon und Umgebung ist vom Relief, der Vegetation, den Gesteinen und Klimabedingungen abhängig. Unter Wald haben sich Rasen-Podsole (FAO: Podzoluvisols) gebildet, in der Waldsteppe sind es  graue Waldböden (FAO: Greyzems) und in der Steppe verschiedene Kastanienböden  (FAO: Kastanozems). In feuchten Senken haben sich Moor- und Wiesenböden (FAO: Gleysols, Mollic) entwickelt. Unter trockenen Klimabedingungen steigt das oberflächennahe  Wasser an die Bodenoberfläche und verdunstet und es bilden sich lokal Salzböden (FAO: Solonchaks).

 

Böden am Westufer des Baikalsees (Bodenkarte der Irkutsker Oblast, 1988. Maßstab 1:500 000, vergrößert)

Vegetation

Die Trockenheit und die starken Winde sind wichtigere Faktoren für die Erhaltung der Steppenvegetation, die prägend für das Landschaftsbild Olkhons ist. Neben Steppen gibt es an Vegetationstypen noch verschiedene Wälder, Wiesen und lokal Moore. Wald kommt in höheren Lagen und an der Nordost-Seite Olkhons vor. Auf  der Westseite wachsen Kiefern, die aber durch den Windeinfluß besonderen Wuchs  zeigen. Die Hauptnadelbaumarten des Waldes sind Pinus sylvestris und Larix sibirica. Die Laubbaumarten sind Betula pendula, Betula pubescens, Hybride beider, Populus  tremula, verschiedene Salix-Arten. Es dominiert die helle Taiga, nur auf einer  kleinen, ca 340ha großen Fläche im NO der Insel findet sich dunkle Taiga auf periodisch tauendem Dauerfrostboden. Hier kommt noch Pinus obovata als Baumart dazu. Oberhalb der Steppen und unterhalb der Bergtaiga, an der Bergfußzone, findet sich Subtaiga-Vegetation. In trockeneren Lagen dominieren Kiefernwälder an kühleren Standorten dominiert dagegen die Lärche. An Kieferwäldern gibt es  auf Olkhon drei Typen: den Rhododendron daurica -Kiefernwald, den unterwuchsfreien Kiefernwald und den Vaccinium vitis-idea - Kiefernwald. Oberhalb von 800m trifft man auf geschlossene Bergtaiga mit Kiefern, Lärchen, Birken und Pappel.

40% der Fläche auf Olkhon wird von Steppe eingenommen. Sie ist, wie auch die Steppe auf dem Festland westlich der Insel, ein Relikt aus dem Tertiär. Diese Steppe nimmt nur noch einen Teil ihrer früheren Verbreitung über die Angara- und Lenaregion ein und war früher mit den mongolischen und transbaikalischen Steppen verbunden die dort aufgrund des Einflusses der trockenen asiatischen Luftmassen zonale Verbreitung haben. Als Relikt wird die Steppe in Pribaikal deswegen bezeichnet, weil sie sich unter den damaligen Umweltbedingungen gebildet  hat und sich unter heutigen Bedingungen nicht mehr bilden würde, da die Julimitteltemperatur,  die als Anzeiger für Klima bei dem sich Steppen bilden können, gesunken ist. Während der Eiszeiten wurden die Steppen des Pribaikals von den mongolischen und transbaikalischen Steppen getrennt. Es werden je nach Untergrund folgende  Steppentypen unterschieden: Petrophytensteppe auf felsigem Untergrund, Lithophytensteppe  auf sehr skelettreichem Untergrund und schließlich Psammophytensteppe auf Sand.  Aufgrund des Artenbestandes lassen sich unterscheiden: echte Steppe, Wiesensteppe,  Steinsteppe und Wüstensteppe. Die echten Steppen sind sehr artenreich. Hier finden sich Arten der Gattung Artemisia, Stipa, Koeleria und Festuca. Auf Wiesensteppen wachsen mit zunehmender Feuchte mesophile Arten. Am Uferbereich finden sich  Steinsteppen, die durch Beweidung und Tritt gestört werden können. Potentilla  acaulis und Thymus baikalensis zeigen Störungen an und sie verdrängen die typischen  Artemisia-Arten. Im Südwesten der Insel kommen auch Steppen auf Salzstandorten  vor, was durch Achnateron splendens angezeigt wird.

Khuschir

Die größte Ansiedlung ist der 1939 gegründete Ort Khuzhir (burj.: Salzerde). Hier wohnt der Größtteil der olkhoner Bevölkerung: 1999 lebten von den 1500 Bewohnern Olkhons 1200 in Khuzhir. Es ist das infrastrukturelle Zentrum der  Insel mit einer Poliklinik, Läden, Polizei und einer Bibliothek. Sehenswert ist das Heimatmuseum in der Schule, das vom Geographie-Lehrer Revyakin begründet wurde und jetzt von seinen Töchtern weitergeführt wird. Er sammelte zusammen  mit seinen Schülern jahrelang Ausstellungsgegenstände zur Geschichte Olkhons. Unter anderem hat er eine alte burjatische Siedlung mit Steinwerkzeugen gefunden.

 

Wanderdüne

20 km nordöstlich von Khuzhir liegt die Ortschaft Pestchanja am Fuß der 6 km langen Wanderdüne. Hier bestand in den 1950iger Jahren ein Straflager, deren  Sträflinge in der großen Fischfabrik des Ortes arbeiten mussten. Zwischen 1950  und 1970 wurde der Ort nach und nach von der Wanderdüne zugeweht und die Siedlung musste bis auf ein paar Häuser aufgegeben werden. Die Reste der Fischfabrik  sind heute noch zu sehen. Die Düne beherbergt eine besondere Flora u.a. die  endemische Art Oxytropis olchonesis.

Kap Khoboi

Am nördlichsten Rand der Insel befindet sich die heilige Stätte Kap Khoboi (burj. "Reißzahn"). Abgetrennt von der Insel ragt ein Felsen aus dem Wasser,  der dem Kap den Namen gegeben hat. Vom Wasser aus gesehen, soll es allerdings einer Frau ähneln. Seit 1981 ist dieser Felsen ein Naturdenkmal. Am Kap steht ein Holzpfahl als Kultstätte, die allgemein Obo genannt werden, an der zu einem  Wunsch oder Gebet Bänder befestigt werden oder kleine Opfer abgelegt werden.  Daneben stehen viele kleine Steinpyramiden, wobei für jede Sünde ein Stein auf  den anderen gelegt worden sind. Eine Besonderheit des Kap Khoboi ist die Möglichkeit Nerpas zu entdecken. Gelegentlich halten sie sich am Kap auf und mit etwas Geduld und gutem Fernglas kann man sie auftauchen sehen.

Schamanenfelsen

Nördlich von Khuzhir liegt am Kap Burchan (burj. Gott ) der Schamanenfelsen  aus Kalkstein. Er ist eine Kultstätte für die Burjaten, denn er gilt als Ruhestätte des höchsten Burchanen. Früher wurden den Pferden die Hufe umwickelt, um den Gott nicht zu stören und auch heute soll man sich an diesem Ort gut verhalten und an nichts Böses denken. Der Zugang war nur Schamanen vorbehalten. Im Felsen  sind drei Höhlen, davon sind zwei verbunden, was den Schamanen die Möglichkeit für mystisches Verschwinden und Wiedererscheinen an anderem Ort gab. Der Schamanenfelsen ist schon seit der Bronzezeit eine Opferstelle, wie die Felszeichnungen in den Wänden der Höhle bezeugen. Meist wurde ein Pferd, ein Schaf oder eine Ziege geopfert. Sollte das Opfer für die Frau des obersten Burchanen sein, dann wurde  ein Hase oder ein Schaf geopfert. Dem Sohn des Burchanen wurden Vögel geopfert. Neben lebendigen Tieren wurden auch Tierfiguren aus Holz als Opfer gebracht. Einer Legende nach soll die Frau des obersten Burchanen auf diesem Felsen Fischern bei dichtem Nebel den Weg geleuchtet haben.

Salzsee Zhara-Nur

Auf Olkhon gibt es einige ephemere Seen, aber nur einen See, der nicht während des Jahresganges austrocknet - der Salzse Zharanur ("Zhara" burj.: Schwarz)  Auch die anderen fünf Seen sind salzig und wie auch der Zharanur-See liegen sie alle über dem Baikalwasserspiegel und stehen in keiner Verbindung zum Grundwasser,  welches in 30-40 m Tiefe ansteht. Das Bodenprofil des Zharanur-Sees zeigt, dass er auch Phasen der Austrocknung hatte. Über die Entstehung und Entwicklung gibt es zwei Theorien. Die eine erklärt den See als tektonische Entstehung. Das Wasser  soll demnach über Klüfte zwischen verstellten wasserdurchlässigen und wasserundurchlässigen  Schichten aufsteigen. Der anderen Annahme nach sammelt sich Niederschlag und  Zuzugswasser aus höheren Bereichen in den Senken und wird durch wasserundurchlässige  Schichten gestaut. Das Wasser des Salzsees hat einen ph-Wert von 8,2-9,0 und  ist reich an Natriumhydrocarbonaten und Sulfathydrocarbonaten, wodurch sich das Wasser seifig anfühlt. Der Schwefelgehalt hinterlässt nach Austrocknung  des Sees seinen charakteristischen Geruch. Der Boden am Zharanur-See ist reich an leicht löslichen Salzen, die sich im Verlauf des Jahres vertikal verlagern. Im Herbst und Frühjahr liegt die oberste Grenze des Salzspiegels aufgrund des  höheren Niederschlags tiefer als im trockenen Sommer, in dem die Bodenwässer  mit den Salzen durch die Verdunstung aufsteigen. Die Salzeinfuhr wird über mineralische Quellen und über den Salzgehalt des anstehenden Gesteins aus Karbonaten und  Kali-Natriumfeldspäten erklärt, aus denen sich bei Verwitterung Ka+ und Na+  bilden.

 

Moor-Wiesen Solonchak vom Schara-Nur See auf Olchon (Lopatovskaja, O. G.,  Mehring, M. Kondratjeva G.V. 2005: Bodenversalzung in der Tascheran Steppe.  In: Ökologie und Biologie der Böden. Materialien der internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Rostov-na-Donu 2005)

Tazheran-Steppe

Die Tazheran - Steppe liegt südwestlich von Olkhon am Westufer des Baikals und erstreckt sich von der Stadt Elanzy am Fluss Anga bis zur Siedlung Sachjurta an Olkhonskije Vorota (Olchon Tor), dort wo die Insel von der Küste getrennt ist. Sie ist wie auch die Steppe auf der Insel Olkhon eine Reliktsteppe und steht unter gleichem klimatischen Einfluss wie Olkhon (sh.dort). Die Strasse von Irkutsk nach Olkhon führt durch diese Steppe zwischen zwei von einigen Salzseen. Diese Seen sind abflußlos und entstehen über drei verschiedene Prozesse: ausschließliche Speisung durch Niederschlag, über Speisung durch tektonische Quellen und über  hängende Aquifere (Wasserleiter). Die Erforschung der Fauna der Seen und der Böden der Steppe bilden einen Forschungsschwerpunkt der Pädagogischen Universität  Irkutsk. Bei der Untersuchung der Fauna ist eine neue Invertebraten - Art beschrieben  worden. Am Seeufer haben sich typische Salzböden (Solonchake) gebildet. Unter dem 40 cm mächtigen Moor-Wiesen Solonchak vom Giski-Nur See lagern dichte Kiesablarungen.  Auf den Salzbodenstandorten haben sich auch typische Salzwiesenpflanzengesellschaften mit Aster tripolium (Strandaster) und Glaux maritima angesiedelt.

Steppensee

Steppe

 

Salzböden

Solonchak-Bodenprofil aus der Tasheran-Steppe

Moor-Wiesen Solonchak Profile 1 und 2, Profil 3 ist Wiesen-Solonchak am  Giski-Nur See (Profil 1, 2 und 3 aus: Lopatovskaja, O. G., Mehring, M. Kondratjeva G.V. 2005: Bodenversalzung in der Tascheran Steppe. In: Ökologie und Biologie  der Böden. Materialien der internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Rostov-na-Donu 2005)

Weitere Besonderheiten der Tazheran - Steppe sind die vier Höhlen aus der Eisenzeit  in der Gegend um Sachjurta, die Karsthöhlen am Steilufer zum Baikal und die Felszeichnungen der Schamenen an der Küste in der Nähe des Flusses Anga. Sie sind aber schwer zu finden und nur schwer zugänglich. Unter Geologen ist diese Gegend berühmt für ihre seltenen Mineralien, besonders am Kap Ulan-Nur.Anfang

Autonomer Kreis Ust-Ordynskij

Autonomer Kreis Ust-Ordynskij (Ust-Ordynski Burjatski avtonomny okrug) liegt als Enklave innerhalb der Irkutsker Oblast östlich der Angara. Der Kreis hat  die Fläche von 22.100 km2 und 134.574 Einwohner. Hauptstadt ist Ust-Ordynsk.  Wie auch in der Republik Burjatien stellen die Burjaten selbst eine Minderheit gegenüber den Russen dar.

Stadt Bajandai

Schwarzerde-Steppe, ehemalige Ackerflächen

Baikalbahn

Direkt entlang des Baikalufer zwischen Sljudanka und Port Baikal führt die Strecke der Baikalbahn (Krugobaikalskaja zheleznaja doroga). Dieser ursprünglich zur Transsibirischen Eisenbahn gehörende Bahnabschnitt ist für den Transportverkehr  stillgelegt worden und wird heute hauptsächlich touristisch und für den Güterverkehr genutzt. Im Mai 1891 begann der Bau der Transsibirischen Eisenbahn, die heute  Moskau und Vladivostok verbindet. An mehreren Teilstrecken wurde zeitgleich gebaut. 1896 wurde der Teilabschnitt von Irkutsk nach Port Baikal entlang des  linken Angara-Ufers gebaut und 1898 in Betrieb genommen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Baikals am Ostufer ging die Bahnstrecke von der Station Mysovaja weiter  Richtung Osten. Um diese Lücke in der Strecke über den See zu überbrücken wurden  bis zur Entscheidung über eine Streckenführung, die um den Baikal herum führen  sollte, die Züge auf Fähren verladen. Zwei Fährschiffe kamen dabei zum Einsatz. Die erste der zwei in England produzierten und in Listvjanka zusammengebauten  Fähren, die "Baikal", brannte während der Zeit der Revolution aus. Das zweite Fährschiff, die "Angara" ist heute in Irkutsk noch als Museum zu bewundern.  4 Stunden dauerte der Transport der Wagons und der Lok über den Baikal. Im Winter  wurden die Züge bei geschlossener Eisdecke erst mit Schlitten gezogen und während des russisch-japanischen Krieges 1904/05, als der Transport zur Versorgung der  Front schneller gehen musste, wurden die Schienen über das Eis verlegt und die  Waggons wurden, allerdings ohne die zu schwere Lokomotive, einzeln von Pferden gezogen. Dabei brach auch ein Zug durch das Eis und versank in den Tiefen des  Baikals. Noch bis 1917 kamen die Fährschiffe gelegentlich zum Einsatz, wenn  die Strecke um die Südspitze des Baikals aufgrund einer Entgleisung vorrübergehend unbenutzbar war. 1901 wurde nach langen Planungen entschieden, die Bahn direkt entlang der Steilküste zu bauen. Obwohl damit große technische Schwierigkeiten  verbunden waren, schien das damals die einzige Lösung des problematischen Streckenabschnittes  zu sein. Die Alternative, den Zug über das Olcha-Plateau im Vorland des Primorski-Gebirge südwestlich von Irkutsk zu führen, war aufgrund der starken Steigung und den  damals noch schwachen Lokomotiven nicht durchführbar. 1902 wurde von Sljudanka  aus mit dem Bau der 84 km langen Strecke bis Port Baikal begonnen. Der Bau am  felsigen Ufer aus Granit, Gneis Gabbro stellte eine große Herausforderung dar, derer sich Ingenieure aus Russland, Polen und England und zwischen 2700 und  15000 Arbeiter, stellten. Unter schwersten Arbeitsbedingungen wurden Sprengarbeiten durchgeführt und 352 Brücken, über 40 in den Fels gehauene Tunnels, 77 Stützmauern und 18 Galerien (entlang von Felsen führende Tunnels) gebaut. Dieser Streckenabschnitt  wurde die "Goldene Schnalle" der Transsibirischen Eisenbahn genannt, nicht nur,  weil sie eine Meisterleistung der Ingenieurskunst zu dieser Zeit darstellte sondern auch, weil es der teuerste Streckenabschnitt der Transsibirischen Eisenbahn war. 1905 wurde die Strecke zunächst einspurig in Betrieb genommen, bis zwischen 1911 und 1914 auch eine zweite Spur gelegt wurde. Während des Baus und auch  nach Inbetriebnahme des Verkehrs kam es derart häufig zu Unfällen durch Steinschlag und Rutschungen, dass bereits in den 1920iger Jahren diese Bahnstrecke nur noch  als Übergangslösung bis zur heutigen Strecke betrachtet wurde.

Die Fahrt mit der historischen Baikalbahn

Die heutige Verbindung zum Baikal führt jetzt von Irkutsk über Boljshoj Lug  auf dem Olcha-Plateau nach Kultuk. Mit der Aufstauung der Angara und dem Bau  des Wasserkraftwerkes konnte die Strecke zwischen Irkutsk und Port Baikal nicht mehr befahren werden und die Schienen wurden abgebaut. Damit war auch der Bahnabschnitt von Port Baikal bis Kultuk überflüssig geworden und der Betrieb wurde 1956 eingestellt.  Nach einer Überflutung 1962 sind Teile der Schienen zerstört worden. Der jetzt  "historische Strecke" genannte Abschnitt zwischen Kilometer 72 und 141 km (Die Zählung beginnt entlang der alten Strecke ab Irkutsk) wurde nach Neuverlegungen  und Versetzungen der Gleise weiter landeinwärts im Jahr 1982 als touristische  Attraktion wieder in Betrieb genommen und versorgt die wenigen Siedlungen an  diesem Uferabschnitt. Die Passagiere können während der Fahrt den Blick auf den Baikal genießen, an vielen Stationen aussteigen und die Umgebung erkunden, wobei sogar Zeit für einen Strandbesuch bleibt. Mit etwas Charme und Geld, lässt  einen der Lokführer auch für eine Weile auf der Lok mitfahren. Angekommen in  Port Baikal muss man die Fähre über die Angara nehmen um wieder Richtung Irkutsk  fahren zu können.

 Neutrinoforschung

Seit 1993 läuft im Baikal ein Forschungsprojekt zur Detektion von hochenergetischen  Elementarteilchen 3,6 km vom Ufer entfernt in 1,1 km Tiefe unter Wasser. Mittels  senkrecht in Reihen aufgehängten Tcherenkoff-Detektoren sollen Neutrinos nachgewiesen werden. Neutrinos sind die einzigen Signale aus weiter Entfernung aus dem All und bieten die Möglichkeit, Super-Novas nachzuweisen. Zur Erforschung hochenergetischer  Teilchen im All sind Neutrinos deshalb geeignet, weil sie sehr schwache Wechselwirkungen zeigen, und Materie durchfliegen. Mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit stoßen  sie auf andere, meist geladene, Teilchen. Die angestoßenen Sekundär-Teilchen, in der Regel ein Myon oder ein Proton bewegen sich in gleicher Richtung weiter. Dadurch behalten sie die Ursprungsrichtung des Neutrinos bei und weisen dadurch  auf dessen Emissionsursprung hin. Innerhalb von Materie bewegt sich dieses Sekundärteilchen mit Überlichtgeschwindigkeit und bildet vergleichbar einem Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit einen Machkegel. Über die Öffnung dieses Kegels lässt sich auf die Geschwindigkeit des Teilchens schließen. Die Detektion der Sekundärteilchen erfolgt deshalb  unter Wasser, weil nur Myonenströme, die von unten nach oben gerichtet sind,  nachgewiesen werden sollen und unter Wasser der Strom von Myonen, die von oben kommen, gebremst werden. Der Baikal bietet die besonderen Bedingungen, dass es ein großer Süßwasserkörper ist, womit die Korrosion in Salzwasser vermieden wird und, anders als im Meer, gibt es im Baikal kaum Strömung, die eine Rekonstruktion des Weges der Sekundär-Teilchen erschwert. Außerdem haben Aufzeichnungen im  Meer einen höheren Untergrund, weil die Biolumineszenz der Tiere von den Detektoren  erfasst wird. 1980 wurde mit dem Bau des Baikal Neutrino Teleskop begonnen. 1987 wurden die ersten Test durchgeführt und seit 1993 werden Daten aufgezeichnet. Quelle: http://baikalweb.jinr.ru http://www-zeuthen.desy.de http://www.k-meyl.de/

 

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