Die Tierwelt Kamtschatkas

Die Tierwelt Kamtschatkas ist sehr vielfältig und weist  aufgrund ihrer Isolation vom "Festland" zahlreiche eigene Unterarten  auf. Das kalte Wasser des Pazifischen Ozeans und des Ochotsker Meeres ist sehr  fruchtbar und bietet hohe Fänge für die Fischerei. Neben den Meerestieren und -großalgen (Fische und Kraben) stellen die Lachse eine große  wirtschaftliche Bedeutung dar. Auf Kamtschatka vermehren sich 6 Lachsarten. Diese Artenvielfalt ist einmalig. Eine künstliche Vermehrung in Fischzuchtanstalten  ist gering nur im Flußgebiet des Flusses Avacha bei Petropavlovsk-Kamchatsky vorhanden. Neben seiner hohen wirtschaftlichen Bedeutung spielt der Lachs auch eine zentrale Bedeutung im Ökosystem Kamtschatkas. Viele Tiere sind direkt oder indirekt von den Lachsen im Narungsnetz abhängig. Besonders deutlich  sieht man das am Braunbären, der im Sommer und Herbst an den Flüssen  vor allem von den zum Laichen wandernden Lachsen lebt.

Der Katalog der Wirbeltiere Kamtschatkas und angrenzender Gebiete  (2000) weist 505 Fischarten, 2 Amphibienarten, 1 Reptilienart (Leder-Meeresschildkröte Dermochelys coriaca), 322 Vogelarten und 88 Säugetierarten auf. Die Erforschung der Wirbeltiere ist sehr lückenhaft und erfolgte überwiegend nur in den Schutzgebieten und zeitlich sehr begrenzt. Da große Gebiete nur schwer zugänglich sind und hohen technischen und finanziellen Aufwand  erfordern sind viele Taxonomische- und Verbreitungsfragen noch nicht geklärt, die Daten sind oft veraltet, neue Bestandszahlen fehlen. Eine Bestandsüberwachung  erfolgt weitgehend nur bei wirtschaftlich bedeutenden Tierarten wie z.B. bei  den Lachsarten. Über Kleinsäugetiere gibt es z.B. kaum Informationen. Seit 2006 gibt es für Kamtschatka eine Rote Liste der Tiere. Darin werden  31 Fischarten, 60 Vogelarten, 23 Säugetiere, 12 Insektenarten und 1 Molluskenart,  die Kamtschatka-Flußperlmuschel Dahurinaia middendorffi, aufgeführt (ADMINISTRATION OF KAMCHATKA REGION, ADMINISTRATION OF KORYAKSKY AUTONOMOUS COUNTY, KAMCHATKA BRANCH OF PACIFIC INSTITUTE OF GEOGRAPHY FAR EASTERN BRANCH  OF RUSSIAN ACADEMY OF SCIENCES: RED DATA BOOK OF KAMCHATKA Vol. 1 ANIMALS PETROPAVLOVSK-KAMCHATSKY. KAMCHATSKY PECHATNY DVOR PUBLISHING HOUSE 2006).

Keta-Lachs

Laichende Keta-Lachse im Fluß Avacha

Murmeltier

Riesen-Seeadler

Braunbären

See-Löwe in der Avacha-Bucht

Der Braunbär auf Kamtschatka

Neben den aktiven Vulkanen ist Kamtschatka für seine zahlreichen Braunbären bekannt. Es wird geschätzt, dass auf Kamtschatka etwa 10  000 bis 12 000 Braunbären leben. Auf Kamtschaka kommt der Braunbär  in zwei Unterarten vor, im nördlichen Teil der Halbinsel als Ursus arctos jeniseensis Ognev , 1924 und südlicher Ursus arctos piscator Pucheran, 1855 (Katalog der Wirbeltiere Kamtschatkas 2000). Neben den nordamerikanischen  Unterarten gehört der Kamtschatka-Braunbär zu den größten Unterarten. Die größten Individuen erreichen bis zu 600 kg. Seine  bevorzugten Lebensräume sind der Zwergkiefernwald und der Erlenwald. Hier findet er gute Versteckmöglichkeiten und insbesondere im Herbst reichlich Nahrung (Beeren und Kiefernnüsse). Während des Lachslaichzuges sind  Braunbären an den Flüssen zu finden. Hier fangen sie die zum Laichen  ziehenden Lachse bzw. die sterbenden Lachse nach dem Laichen. Die Laichsaison der verschiedenen Lachsarten beginnt Ende Juni und endet im Winter. Als Allesfresser  wechselt der Braunbär je nach Nahrungsangebot seinen Lebensraum im Laufe  des Jahres. Eine allgemeine Übersicht der Phänologie zeigt die folgende Abbildung.

Dem Menschen geht der Braunbär normalerweise aus dem Weg.  Gefährliche Situationen können entstehen, wenn der Braunbär im  Gebüsch überrascht wird und nicht rechtzeitig flüchten kann. Dann darf man auf keinen Fall flüchten, da der Braunbär schneller  als der Mensch laufen kann, sondern vorsichtig dem Braunbären eine Fluchtmöglichkeit  bieten und ihm auf jedenfall den Fluchtweg freimachen. Die meisten Begegnungen  mit dem Braunbären enden in seiner Flucht und für den Menschen mit  dem Schrecken. Nur selten greift er an. Meistens ist aber auch der Mensch durch  falsche Verhaltensweisen daran schuld. Von den gemeldeten gefährlichen  Begegnungen endeten nur wenige mit Verletzungen bzw. dem Tod des Menschen.

 Wie auch in anderen Regionen Russlands gehört der Braunbär auf Kamtschatka zu den jagdbaren Tierarten der Berufs- und Sportjäger. Die Jagd wird aber von staatlichen Jagdbehörden kontrolliert und darf nur mit Lizensen erfolgen. Es werden jedes Jahr Abschußquoten festgelegt und dann Jagdlizensen vergeben. Beim Braunbären werden Lizensen für den Abschluß von 10 % der Population festgesetzt. Wie die folgende Graphik zeigt, erreicht die Nachfrage nach Lizensen nicht die mögliche Quote. Es wird aber nach Umfragen unter Jägern geschätzt, dass etwa die gleiche Anzahl von Bären illegal erlegt werden. Seit einigen Jahren geht die Jagd  aufgrund von gefallenen Preisen für die Galenblase stark zurück. Die Galenblase des Bären wird in der chinesischen Medizin verwendet und brachte  in den 1990ger Jahren hohe Preise. Inzwischen sind die Preise gesunken bzw.  durch die hohen Lebenshaltungskosten auf Kamtschatka ist der Gewinn zu gering geworden.

Fische Kamtschatkas

Die Region Kamtschatka mit der Beringsee und dem Ochotsker Meer  ist eines der produktivsten Fischgewässer weltweit. Hier erfolgen etwa  80 % der russischen Fischfänge. Der Katalog der Wirbeltiere Kamtschatkas (2000) führt 505 Arten und Unterarten aus den drei Klassen Cephalaspidomorphi  - Rundmäuler (Neunaugen), Chondrichthyes - Knorpelfische, Osteichthyes  - Knochenfische, 27 Ordnungen, 85 Familien und 261 Gattungen auf. Während ihrer langen Entwicklungsgeschichte kam es zu Austauschprozessen zwischen der  Fischfauna unterschiedlicher Regionen, so dass die Fischfauna Kamtschatkas gegenwärtig  aus unterschiedlichen zoogeographischen Regionen stammt.

 Auch regional sind die Fischarten unterschiedlich verbreitet wie es die folgende Tabelle zeigt. Die Fischfauna wird mit über 90 % von Meeresfischen dominiert, es kommen nur 37 Süßwasserfische vor. Diese  Artenarmut ist auf die Vergletscherung während der Eiszeit zurückzuführen.

Zu den Wanderfischen gehören z. B. das pazifische Neunauge Lethenteron camtschaticum (Tilesius, 1811), der Stör, die 6 Lachsarten, Saiblinge und Dreistachliger Stichling. Insgesamt ist die Süßwasserfischfauna  Kamtschatkas artenarm. Dafür kommen 6 Lachsarten auf Kamtschatka in die Flüsse und Seen zum Laichen. Die pazifischen Lachsarten der Gattung Oncorhynchus gehören zu den monozyklischen Arten, die nach dem Laichen sterben. Die  Kamtschatka Semga Parasalmo penshinensis (Pallas, [1814]) stirb dagegen  nach dem ersten Laichen nicht sondern kehrt ins Meer wieder zurück um noch  mehrmals zum Laichen in die Binnengewässer zurückzukehren. Die Lachse schlüpfen in Binnengewässern und verbringen hier je nach Art unterschiedlich lange Zeit und wandern dann ins Meer um dort aufzuwachsen und nach 2 bis 10  Jahren zum Laichen in die Binnengewässer zu wandern. Das sogenante homing,  das Zurückkehren in die Schlüpfgewässer ist bei Lachsen sehr  stark ausgeprägt und kann bisher noch nicht vollständig erklärt  werden. Beim Eintritt ins Süßwasser nehmen die Lachse keine Nahrung mehr auf und der Körper verändert sich. Es bilden sich z. B. Buckel und/oder Hackenkiefer. Es finden auch starke innere Veränderungen der Lachse statt: sie verlieren stark an Gewicht, es bilden sich Geschlechtsorgane, verlieren fast das gesamte Fett, der Verdauungsapparat verändert sich stark wie auch die Leber. Die Veränderungen sind irreversibel und führen nach dem Laichen zum Tod der Lachse. Bis zu den Laichplätzen müssen die Lachse  verschiedene Gefahren überwinden z. B. Räuber wie Braunbär und  Fischotter. Deshalb wandern die Lachse insbesondere bei Flut in die Flüsse  ein und dann abends und nachts ziehen sie weiter zu den Laichplätzen. Nach  dem Laichen sind die Laichplätze voll mit toten Fischen, es stinkt nach  verwesendem Fisch. Auch der tote Fisch ist eine beliebte Nahrungsquelle für vielen Tierarten wie z. B. Möwen.

 Die Laichperioden der Lachsarten sind unterschiedlich, können  sich aber auch überlagern. Die Laichplätze liegen auf Kiesflächen und sind je nach Art getrennt. Am Laichplatz legen die Lachse Laichgruben an,  in die das Weibchen die Eier ablegt und das Männchen sie besamt. Danach wird die Laichgrube mit Sediment bedeckt und es entstehen kleine Hügel.  Nach 2 bis 3 Monaten schlüpfen die Fischlarven, sie bleiben noch in der Laichgrube bis der Dottersack aufgebraucht ist, was ebenfalls mehrere Monate dauern kann. Die Lebenszeit im Süßwasser ist je nach Art unterschiedlich.  Beim Buckellachs (O. gorbuscha) beginnt die Abwanderung ins Meer im ersten Frühjahr, beim Kisuch (O. kisuch, Silberlachs) können die Junglachse bis zu 4 Jahre im Fluß verbleiben und erst danach ins Meer abwandern.

 

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