Tierwelt

Die Zahl der Organismen, die im See selbst lebt, wird mit 2635 angegeben (Baikal in Numbers 2001). Die Artenzahl schwankt je nach Quelle, da  nicht immer gleich zwischen Art und Unterart unterschieden wird. Nach russischer Schule wird nach morphologischen Unterschieden in Arten eingeteilt. Über 50  % der Tierarten sind endemisch, d.h. ihre Vorkommen beschränkt sich allein auf  die Baikalregion.

Wirbellose Tiere (Invertebrata)

Die artenreichste Tiergruppe unter den Wirbellosen sind die Amphipoda, eine  Ordnung der höheren Krebse. Mit 250-300 wird die Zahl ihrer Arten beziffert. 20% aller weltweit bekannten Bachflohkrebse (Gammaridae), eine Gattung der Amphipoda,  ist hier im Baikal zu finden. Unter den Bachflohkrebsen gibt es Destruenten  und räuberische Arten. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem als Detritusfresser und als Nahrung für die Fische Golumjanka, Omul, Groppen und für die Baikalrobbe.  Die meisten Amphipoden leben in der Spritzwasserzone am Seegrund oder auf Schwämmen. Diese Arten haben gut entwickelte Augen und sind rötlich gefärbt. Es gibt aber Amphipodenarten im Pelagial (Freiwasserbereich). Diese Arten sind farblos, haben  reduzierte Augen und bilden Schwärme. Eine weitere wichtige Art der Krebstiere  ist der Ruderfußkrebs (Ordnung Copepoda) Epischura baicalensis. Diese Krebse  haben, je nach Becken, einen Anteil von 78 - 97,6% an der Zoobiomasse und sind  ein wichtiger Teil des Nahrungsnetzes im Baikal. Die Epischura selbst ernähren sich über Filtrieren des Wassers und nehmen damit Plakton und Detritus auf.  Mit ihrer beträchtlichen Filtrierleistung sorgen sie so für die Klarheit des Wassers und einen oligotrophen, nährstoffarmen, Zustand. Zur Verdeutlichung ihres Filtriervermögens: die Gesamtheit der Epischura ist in der Lage, die obersten  50m des Baikals innerhalb eines Jahres dreimal durchzufiltern bzw. sie filtern  jährlich die 10-15-fache Menge dessen, was von allen Zuflüssen in den See fließt. Diese Kleinkrebse können nur in sehr sauberem, sauerstoffreichem Wasser leben.  Eine Verschmutzung des Baikals hätte enorme Folgen für den See. Die Zahl dieser leistungsstarken Filtrierer würde dadurch zurückgehen und die Trophie des Sees würde steigen. Dadurch würde das Wasser trüber und durch die verminderte Lichtdurchlässigkeit ginge die Sauerstoffproduktion durch Phytoplankton zurück. Die organische Substanz,  die nicht mehr durch die Kleinkrebse filtriert werden könnte, würde unter Sauerstoffverbrauch abgebaut werden, wodurch der gesamte Sauerstoffgehalt abnehmen würde, was wiederum weiter die Lebensbedingungen für diese wichtigen Invertebraten verschlechtert  würde.

Apollo

Bachflohkrebs aus dem Baikalsee

Fischfauna (Ichthyofauna)

Insgesamt beherbergt der Baikal 53 Fischarten, die zu 13 Familien gehören. 31 Arten sind endemisch (Baikal in Numbers 2001). Der bekannteste unter allen  Fischen des Baikals ist der Omul (Coregonus autumnalis migratorius (Georgii)),  aus der Familie der Coregonidae (Renken). Zur gleichen Gattung gehört auch sein  in Deutschland beheimatete naher Verwandter, das Felchen. Der Omul ist endemisch  im Baikalsee und in einigen Gewässern der Umgebung. Der Artstatus des Omuls  wird diskutiert, bislang jedoch wird er als Unterart des Coregonus autumnalis,  der Kleinen Maräne, betrachtet. Eine weitere Unterteilung des Omuls innerhalb  des Baikals kann aufgrund morphologischer Unterschiede zwischen drei bzw. fünf Formen gemacht werden. Drei verschiedene Formen entsprächen den drei Becken  des Baikals, was bedeuten würde, das diese drei Populationen in geringem Austausch  stehen. Anderer Meinung nach kann der Omulbestand aufgrund des Aussehens und  ihrer Laichplätze in fünf Populationen entsprechend den fünf großen Zuflüssen des Baikals eingeteilt werden. Als Herkunft des Omuls wird, wie von anderen  Baikalfischen auch, die Polarregion vermutet: über den Jenisej und die Angara  soll der Omul während des Eiszeitalters bis zum Baikal gekommen sein. Der Omul hat eine Größe von 25-35 cm und kann bis zu 400 g schwer werden. Er ernährt  sich von Plankton und kleineren Tieren und erreicht ein Alter von 18-20 Jahren.  Zum Ablaichen schwimmt er zwischen August und Oktober die Zuflüsse des Baikals  flussaufwärts, legt seinen Laich auf sandigem bis kiesigem Grund ab und kehrt dann wieder in den See zurück. Bis zum Schlüpfen der Omuls vergehen 6-7 Monate.  Der Fang und Verkauf des Omuls ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung für  die Region; einerseits zum eigenen Konsum und andererseits auch als Exportgut bis ins europäische Russland. Ein weiterer endemischer Fisch ist der Golomjanka, der Ölfisch, der mit zwei Arten im Baikal vertreten ist: der große Ölfisch (Comephorus  baikalensis) und der kleine Ölfisch (Comephorus dybowskii) Diese ungewöhnlichen Fische sind durchsichtig und schuppenlos und bestehen zu fast 40% aus Fett. Ihr vitamin-A-reiches Fett wurde früher zum Betreiben von Öllampen und auch  zu Heilzwecken gegen Rheuma eingesetzt. Nach Stürmen sollen früher die an Land  gespülten Tiere eingesammelt worden sein. Die Golmjanka haben ein sehr niedriges  Temperaturoptimum. Sie halten sich bei Temperaturen von 3,5 - 5°C auf und sterben bei einer Umgebungstemperatur von 10°C. Deshalb halten sie sich tagsüber in  größerer Tiefe auf, wo das Wasser eine gleichbleibende Temperatur um die 4°C  hat. Nachts allerdings wandern sie zur Nahrungsaufnahme von 1000 - 1400 m Tiefe bis auf 40 m unter die Wasseroberfläche. Das Fehlen einer Schwimmblase ermöglicht ihnen diese Wanderung in der Vertikalen. Der Golmjanka bildet die Hauptnahrung der Nerpa, die deswegen auch nachtaktiv ist. In Fischernetzen ist er aber, trotz dem, dass er 67% der Fisch-Biomasse des Baikals ausmacht, nur selten im Fang,  weil er einzeln lebt und nicht in Schwärmen. Außergewöhnlich für die Art ist,  dass er lebendgebärend ist, wobei er in einem Gebärvorgang 2000-3000 Larven ins Wasser entlässt. Er kann bis zu drei mal gebären, stirbt jedoch meist nach  der Geburt. Seine maximale Lebensdauer beträgt sechs Jahre.

 

Nerpa (Phoca sibirica)

Der bekannteste Endemit der Fauna des Baikals ist zweifellos die Baikalrobbe (Phoca sibirica), im russischen Nerpa genannt. Sie ist der einzige endemische Säuger im Baikal und der Baikal ist wiederum der einzige Lebensraum, an dem  Robben ausschließlich im Süßwasser leben. Die sonst marinen Robben haben außer im Baikal nur noch im salzigen Kaspi-See einen Lebensraum im kontinentalen Raum. Die nächsten Verwandten der Nerpa sind die Ringelrobben (Phoca hispida) des arktischen Nordpolarmeeres. Für diese Behauptung spricht, dass im Fell der Robben des Nordmeeres die gleichen Parasiten zu finden sind, wie im Fell der Baikalrobben.  Die große Entfernung zwischen Nordmeer und Baikal wirft die Frage auf, wie sie  ihren Weg in den Baikal gefunden haben. Es gibt einige Theorien darüber: als  eine Möglichkeit gilt die Wanderung über den Jenissei und die in ihn mündende  Angara zur Zeit der Vereisung über das weit nach Süden reichende Eis. Als anderer Wanderungsweg wird die Lena diskutiert, die im Pliozän noch über mehrere Abflüsse  mit dem Baikal verbunden war. Die Theorie solcher Wanderungen wird durch Beobachtungen gestützt, nach denen Nerpas durchaus weit in Flüsse vordringen und auch über Landwege die Flüsse wechseln. Die Nerpa wurden schon im gesamten Baikal gesichtet, doch ihre Hauptverbreitung haben sie im Norden des Baikalsees. Ihre Population wird auf 60.- 80.000 Individuen geschätzt. Die Baikalrobben vermögen bis zu  45 - 60 min unter Wasser zu bleiben, im Durchschnitt tauchen sie aber für 20-25 min unter. Auch den Winter verbringen sie im Wasser und kommen zum Atmen an  Eislöcher, die sie selbst aufkratzen und offen halten. Sie gehen nachts auf die Jagd, weil ihre Hauptnahrung, die Groppenart Golomjanka, nachts aus großer Tiefe in Oberflächennähe schwimmt. Die Nerpas sind zwischen 120 und 165 cm lang,  30-50 kg schwer und werden im Schnitt 30 Jahre alt, können aber auch bis zu 56 Jahre alt werden. Die Paarung findet im Juli/August statt und im März bringen  die Weibchen auf dem Eis in Schneehöhlen ein, selten auch zwei, Junge zur Welt,  die anfangs ein grünlich-gelbes Fell haben, welches nach zwei Wochen schneeweiß wird. Bejagt werden die Nerpas wegen ihres Felles, dabei werden vor allem die Jungtiere bevorzugt. Daneben wird auch ihr Fett genutzt als mechanisches Fett. Das Fleisch der Robben schmeckt fischig, und wird daher vom Menschen kaum gegessen. Die Jagd findet wegen der Scheu der Nerpas aus großer Entfernung statt. Dabei  werden viele Robben nur angeschossen und entkommen verletzt. So kann man annehmen,  dass mehr Robben bei der Jagd umkommen, als die Jäger als Beute verbuchen. 1987  führte eine Epidemie durch den Hundestaupe-Virus zu einem großen Robbensterben  von etwa 10.000 Tieren, ähnlich der Epidemie 1988 an der Nord- und an der Ostsee.  Anhand genetischer Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass es sich zwar um die gleiche Virusfamilie, aber um unterschiedliche Arten handelte. Die Robbe  ist ständiger Träger dieses Virus, welcher sich ständig verändert und nach Ausbruch  solange letal wirkt, bis eine Immunität unter den Robben erreicht wird. Dass  sich ein Ausbruch des Erregers zu einer derartigen Epidemie entwickelt, kann aber nur bei vorliegender Immunschwäche passieren. Als Ursache für die geschwächte Abwehr der Robben gegenüber dem Virus wurde die Verschmutzung des Baikals diskutiert.  Robben sind in größerem Maß von einer Verschmutzung betroffen, da sie am Ende  der Nahrungspyramide stehen und zudem mehr organische Schadstoffe und Schwermetalle in ihrer dicken Speckschicht akkumulieren. Es gibt Impfstoffe gegen den Virus,  aber bereits aus praktischen Gründen ist es unmöglich, alle Nerpas zu impfen.

 

Baikalrobbe (Nerpa) auf ihrem Liegeplatz bei den Uschkani Inseln

In der Baikalseeregion leben Tierarten verschiedener Landschaftstypen (Wälder, Gewässer, Steppe, Moore, Hochgebirge). In anderen Ländern schon längst ausgestorbene Arten sind hier noch häufig verbreitet: Wolf, Braunbär, Luchs. Der Baikalsee selber beherbergt über 50 % endemische Tierarten. Es kommen sogar endemische Familien vor (Schäfer, A: Biographie der Binnengewässer. 1997).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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