Schutzgebiete

Das größte Land der Erde, Russland, besitzt ein komplexes Schutzgebietssystem  mit jahrzehntelanger Tradition. Zu klassischen nationalen Schutzgebietskategorien  wie den streng geschützten Zapovedniki oder den Zakazniki kammen seit den 1980er Jahren Nationalparke nach internationalen Kriterien errichtet und andere internationale  Schutzgebietskategorien hinzu. Auch wenn bisher noch deutlich weniger als zehn Prozent der gesamten Landesfläche Russlands unter den verschiedenen Schutzregimen stehen, handelt es sich hierbei doch flächenmäßig schon um eines der größten  Schutzgebietssysteme der Welt. Und auch wenn sich die Weiten Russlands über die insgesamt eher artenarmen polaren, borealen und gemäßigten Breiten erstrecken, so finden sich hier doch auch relativ bedeutende Zentren der Biodiversität,  so z.B. die "Altai-Sayansky Bioregion" im Süden und die "Amur-Sakhalin Bioregion"  im Osten Russlands (Bomhard, B. http://sibirien.csiewert.de/; Bundesamt für Naturschutz: Deutsch-Russisches Handbuch zum Naturschutz. Bonn/Moskau 2002).

Am Baikal selbst sind derzeit folgende Schutzgebiete ausgewiesen Baikalo-Lenskiy Zapovednik Ia (Strict Nature Reserve) Baikalsky Zapovednik Ia (Strict Nature Reserve) Barguzinsky Zapovednik Ia (Strict Nature Reserve) Zabaikalsky  National Park II (National Park) Pribaikalsky National Park II (National Park)  Tunkinsky National Park II (National Park) Frolikhinskiy Zakaznik IV (Habitat\Species  Management Area) Kabansky Zakaznik IV (Habitat\Species Management Area) Natural  World Heritage criteria (i), (ii), (iii) and (iv) IUCN management category http://www.wcmc.org.uk /protected_areas/data/wh/baikal.htm

Zapovedniki

Die wichtigste nationale Schutzgebietskategorie in Russland ist  die der Zapovedniki (im Englischen "strictly protected areas"), die international  zur höchstmöglichen Schutzgebietskategorie der World Conservation Union (IUCN) gehört (IUCN Kategorie I = wissenschaftliches Reservat). In ihnen darf keinerlei Nutzung und keine menschliche Beeinflussung der natürlichen Prozesse erfolgen.  Daher ist das Betreten der total geschützten Kernzone eines Zapovedniks durch  Besucher auch generell verboten, wobei es für Wissenschaftler sowie betuchte Touristen, die sich dann jedoch offiziell auch an wissenschaftlichen Studien  beteiligen, in sehr beschränktem Umfang Ausnahmegenehmigungen gibt. Die Kernzone eines Zapovedniks wird in der Regel von einer Pufferzone umgeben, in der eine eingeschränkte Landnutzung gestattet ist. Die einzelnen Zapovedniki verfügen über einen eigenen Geldtopf und eine eigene Infrastruktur, zu der auch ein fester administrativer und exekutiver Personalstamm gehört (u.a. ein Direktor, mehrere  Ranger sowie wissenschaftliche Berater), der für das Management des Zapovedniks verantwortlich ist. Derzeit gibt es 100 von diesen Totalreservaten in Russland, die in ihrer Fläche von 231 ha bis 4,169 Mio. ha reichen und insgesamt 27 Mio. ha oder etwa 1-2 Prozent des gesamten Staatsgebietes umfassen.

Zakazniki

Neben den Zapovedniki gibt es in Russland als nationale Schutzgebietskategorie des weiteren noch die Zakazniki (im Englischen oft mit "wildlife refuges" übersetzt),  deren Name sich vom russischen Wort "zakaz" für "zeitweiliges Verbot" ableitet (IUCN Kategorie III oder IV). Dabei handelt es sich um Gebiete von 0,5 ha bis  6,0 Mio. ha Fläche, in denen bestimmte temporäre (selten permanente) Beschränkungen  für die wirtschaftliche Nutzung gelten. Sie können als komplexe Landschaftsreservate dem Schutz und der Regeneration natürlicher Ökosysteme oder aber dem Schutz  von seltenen bzw. gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sowie von Fossilienfundstellen oder auch dem Schutz hydrologisch, bzw. geologisch bedeutender Stätten dienen. Insgesamt gibt es etwa 3000 Zakazniki in Russland mit einer Gesamtfläche von etwa 780.000 km². Diese Schutzgebiete besitzen im Gegensatz zu den Zapovedniki keine eigene Administration, sondern werden von verschiedenen föderalen oder regionalen Behörden verwaltet. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Betreuung eines Zakazniks einem wissenschaftlichen Institut oder einer Organisation übertragen wird. Traditionell dienten die Zakazniki v.a. dem Management von bejagten Arten.  In den meisten Zakazniki ist es heute verboten, bestimmte in ihrem Bestand gefährdete Säugetiere oder Vögel zu bejagen. Ein solches Verbot kann auch dazu dienen,  dem Bestand einer vom Menschen dort wiederangesiedelten Art (z.B. dem Biber) die erneute Etablierung zu ermöglichen. Im Gegensatz zu Zapovedniki können Zakazniki  ebenso zum Schutz von erst vom Menschen dort eingeführten bzw. eingebürgerten Arten eingerichtet werden. In einem Zakaznik ist die Jagd auf andere als die dort unter Schutz stehenden Tierarten dabei nicht unbedingt verboten. Aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Begleitprogramms liegen für die meisten Zakazniki  leider weit weniger Informationen vor als für die Zapovedniki.

Naturdenkmäler und Naturparke

Naturdenkmäler sind einmalige Naturbildungen mit hoher Bedeutung für die Wissenschaft, Kultur und die Ästhetik. Eine relativ neue Schutzkategorie  von regionaler Bedeutung stellen die Naturparke dar. Sie dienen neben dem Naturschutz  auch der Erholung.

Wälder

Der Schutz und die Nutzung der Wälder ist im Waldgesetz geregelt.  Das Waldgesetz teilt die Wälder des Staatlichen Waldfonds nach ihrer ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedeutung in 3 Gruppen ein. Zum Waldfond gehören alle  Wälder - mit Ausnahme des Waldes auf Militär- und Siedlungsflächen - sowie unbewaldete  Flächen. Die Grenzen des Waldfonds sollen so abgesteckt werden, dass der Schutz  und die Regenerationsfähigkeit des Waldes gewährleistet ist (Christian Meissner  2002: Rechtliche Grundlagen des Umwelt- und Naturschutzes in Russland). Zur  1. Gruppe gehören die Schutzwälder: Wälder zum Schutz von Gewässern, Grundwasserschutz,  Wälder in Schutzgebieten, Erosionsschutzwälder u.a.m. Die Nutzung dieser Wälder darf nur in Vereinbarung mit den Schutzzielen erfolgen. Zur 2. Gruppe gehören  alle Nutzwälder, die nicht zur 1. und 3. Gruppe gehören. Ihre Nutzung soll nach ökologischen Kriterien erfolgen Zur 3. Gruppe gehören Reservewälder, die in  den nächsten 20 Jahren nicht genutzt werden sollen. In der Realität werden legal  und illegal viele ökologisch wertvolle Wälder gefällt. Da die Überwachung und  Kontrolle der Wälder mangelhaft ist und oft die lokale Bevölkerung einfach um  zu überleben den Wald nutzen muß. Andererseits gibt es auch einen großen illegalen  Holzmark in Rußland. Zur "Pflege" dürfen auch Wälder in Schutzgebieten genutzt  werden. Oft sind den Behörden und auch der Bevölkerung die Grenzen der Schutzgebiete  nicht bekannt. Es gibt keine Beschilderung vor Ort. Bisher ist der Wald in Russland,  bis auf kleine Ausnahmen, Staatseigentum. Im neuen Waldgesetz soll der Wald auf bis zu 99 Jahre verpachtet werden können.

Das Baikalgesetz

Nach langer Debatte wurde 1999 das Baikalgesetz verabschiedet. Danach ist die Region am Baikalsee in 3 Zonen unterteilt. Die Zentrale Zone  schließt die Wasserfläche des Sees und die Inseln sowie die seenahen Wasserschutzgebiete  und die an den See angrenzenden besonders geschützten Naturräume (Nationalparks,  Naturschutzgebiete) ein. Die Pufferzone umfaßt das Wassereinzugsgebiet des Baikal. Die Einflußzone ist die außerhalb des Wassersammelbeckens liegende Zone in einem 200 km großen Bereich rund um die Uferlinie des Sees. Das Baikalgesetz umreißt Konzeption und Grenzen der gesetzlichen Möglichkeiten für eine einheitliche  Politik und ein einheitliches Handeln zum Schutz dieses einmaligen Naturschatzes,  sowohl durch die Föderation als auch durch die regionale Verwaltung. Ein wichtiges Ziel dabei ist eine ausgewogene Beziehung zwischen Umweltschutz und wirtschaftlicher  Entwicklung um eine nachhaltige Entwicklungen in der Region zu fördern. Das wichtigste am Baikal-Gesetz ist vor allem die Einschränkung der anthropogenen  Belastung auf das Ökosystem des Sees. Auch sind chemische Verschmutzung, Eingriffe in die Landschaft um den See, biologische Einwirkungen und die Einleitung artfremder Stoffe in den Baikalsee und seine Zuflüsse untersagt, die eine besondere Gefahr für das Funktionieren des Ökosystems des Sees darstellen, desweiteren ist die  Einrichtung und der Ausbau von Industrie und Handwerk ohne Zustimmung und positives  Gutachten der Experten verboten. Leider hat sich die ökologische Situation durch  das Gesetz kaum verbessert. Kleine Verbesserungen sind vor allem durch das Schließen  vieler Industriebetriebe zu verzeichnen. Die weiterhin bedrohliche Umweltsituation  in der Baikalregion ist vor allem auf die schlechte finanzielle und ökonomische Entwicklung des Landes zurück zu führen. Das Baikalgesetz ist wie viele andere  Gesetze in Rußland nicht durch staatliche Mittel finanzierbar und funktioniert deshalb eigentlich nicht (Baikal Information Center GRAN ).

Welterbestätten

Im Jahr 1972 wurde von der Generalversammlung der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) in Paris die "Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verabschiedet, der mittlerweile 167 Länder (darunter Russland im Jahr 1988) beigetreten sind. Als Kulturerbe gelten Denkmäler, Gebäudeensembles und Stätten, die einen besonderen historischen, ästhetischen, archäologischen, wissenschaftlichen, ethnologischen oder anthropologischen  Wert haben. Als Naturerbe gelten dagegen einzigartige physikalische, biologische  und geologische Formationen, Gebiete, deren Erhaltung für die Wissenschaft oder  wegen ihrer natürlichen Schönheit von außergewöhnlichem Wert sind, sowie Lebensräume  bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Verteilt über insgesamt 122 Länder gibt es  bislang weltweit insgesamt 690 World Heritage Sites, davon 529 Kulturstätten, 138 Naturstätten und 23 Stätten mit bedeutendem Kultur- und Naturerbe. Der Baikalsee wurde im Dezember 1996 in die UNESCO-Liste der Weltnaturerbe aufgenommen. Im Protokoll des Beschlusses heißt es: "Der Ausschuss erklärt den Baikalsee als das hervorragendste Beispiel eines Süßwasserökosystems auf der Basis von natürlichen  Kriterien. Es ist der älteste und tiefste See der Welt, der nahezu 20 % des  nicht gefrorenen Süßwassers der Welt beinhaltet. Der See enthält eine bemerkenswerte  Vielfalt endemischer Flora und Fauna, die von außergewöhnlicher Bedeutung ist  für die evolutionäre Wissenschaft. Er ist umgeben von einem System geschützter  Gebiete, die einen hohen landschaftlichen und natürlichen Nutzen haben" (WCMC ).

Biosphärenreservate

Das Konzept der Biosphärenreservate geht auf eine internationale Konferenz im Jahr 1968 zurück. Danach sollen Biosphärenreservate drei Basisfunktionen erfüllen: Erstens sollen sie zum Schutz von Biodiversität und Ökosystemen beitragen, zweitens sollen sie eine ökologisch nachhaltige Entwicklung fördern und drittens sollen sie der Forschung, Bildung und dem Monitoring dienen. Zu diesem Zweck  beinhalten sie in der Regel drei verschiedene Arten von Landnutzungszonen: Eine streng geschützte Kernzone, eine Pufferzone, wo Forschung, Bildung und Erholung gestattet ist, sowie eine "Transitional Zone", wo die nachhaltige Nutzung der  natürlichen Ressourcen gefördert wird. Bereits am 9. November 1971 fand das  erste Treffen des International Co-ordinating Council des neu geschaffenen Man and the Biosphere Programme (MAB) der UNESCO in Paris statt. Die russischen Biosphärenreservate, bei denen es sich ausschließlich um Zapovedniki handelt,  denen zusätzlich der Status eines Biosphärenreservates verliehen wurde, leiden  jedoch nicht nur unter den allgemeinen Problemen vieler russischer Schutzgebiete, sondern insbesondere auch unter einer nur sehr schwierigen Vereinbarkeit dieser  internationalen Schutzgebietskategorie und ihren Anforderungen mit der nationalen  Schutzgebietskategorie der Zapovedniki und ihren Bedingungen in Russland. So  erfüllen einige der russischen Reservate Zapovedniki bei einer näheren Betrachtung  die internationalen Kriterien insbesondere in Bezug auf ihre Zonierung, das Monitoring und die Förderung nachhaltiger Entwicklung in ihrer Umgebung nicht.  Nur die von 1978 bis 1988 vom nationalen MAB-Komitee der Russischen Akademie  der Wissenschaften (RAS) in Russland ausgewiesenen Biosphärenreservate unterscheiden  sich wohl wirklich von anderen Zapovedniki und verwirklichen das eigentliche  Konzept der Biosphärenreservate.

Nationalparke

Erst seit Anfang der 1980er Jahre gibt es in Russland auch die in anderen Ländern schon länger bekannte Schutzgebietskategorie der Nationalparke (IUCN Kategorie II). Diese besitzen einen geringeren Schutzstatus als die Zapovedniki  und dienen außer dem Schutz von Natur- und Kulturschätzen auch der Forschung  und Bildung sowie dem kontrollierten Tourismus. Zudem sind gewisse Landnutzungen,  v.a. die traditionellen Nutzungen (z.B. Fischfang) auch innerhalb der Schutzgebietsgrenzen erlaubt. Entsprechend der Schutzwürdigkeit einzelner Teile eines Nationalparks  werden unterschiedlich stark geschützte Zonen eingerichtet: Diese reichen von streng geschützten Bereichen mit Totalschutz über Bereiche, die für die allgemeine  Erholung zur Verfügung stehen, bis hin zu Bereichen, in denen sogar gewirtschaftet  werden darf. Mehr als die Hälfte aller russischen Nationalparke umfassen dabei mit ihrem Gebiet auch Teilgebiete, die im Besitz von Fremdbesitzern, -pächtern oder -nutzern sind. Das Nationalparksystem wird vom russischen Forest Service  geleitet, wobei jeder Nationalpark wiederum seine eigene Verwaltung und sein eigenes, vom Staat finanziertes Budget hat, in das aber auch ein Teil der Einnahmen  aus Eintritten von Touristen fließt. Derzeit gibt es 35 Nationalparke in Russland,  die in ihrer Fläche von 7000 ha bis 1,89 Mio. ha reichen und insgesamt 6,9 Mio.  ha des gesamten Staatsgebietes umfassen.

Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung

Im Jahr 1971 wurde in Ramsar, Iran, das "Übereinkommen über den  Schutz von Feuchtgebieten, insbesondere als Lebensraum für Wat- und Wasservögel, von inter- nationaler Bedeutung", kurz die Ramsar-Konvention, von 18 Ländern  unterzeichnet. Bis heute sind diesem Abkommen 120 Länder (darunter Russland im Jahr 1976) beigetreten, die nun insgesamt über 1100 sogenannte Feuchtgebiete  von internationaler Bedeutung ausgewiesen haben. Längst steht dabei nicht mehr nur der Schutz von Wat- und Wasservögeln im Mittelpunkt des Interesses der Ramsar-Stätten,  sondern die Erhaltung, Entwicklung und nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten als komplexe Ökosysteme. Da die Ramsar-Konvention an sich jedoch keine verbindlichen  Schutzvorschriften enthält, erfolgt die Unterschutzstellung der Gebiete auf  der Grundlage des Naturschutzrechts der einzelnen Länder und damit mitunter sehr uneinheitlich. Ein Teil des Selenga-Delta, der Kabansky Zakaznik, ist seit  1994 als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung ausgewiesen (WCMC ).

Grundlegende Probleme der russischen Schutzgebiete

Das russische Schutzgebietssystem leidet derzeit unter einer ganzen  Reihe grundlegender Probleme, wie z.B. geringem politischem und öffentlichem  Interesse. Dazu kommen Entscheidungsunfähigkeit der Legislative und Exekutive  bei der Ausweisung neuer Schutzgebiete, Undurchsichtigkeit der Administrative,  insbesondere im Hinblick auf Zuständigkeiten, ungeklärte Eigentumsfragen, fehlende oder mangelhafte Managementplanung, illegale Nutzungen und eine mangelhafte  Finanzsituation. Eine Veränderung bzw. Verbesserung der Situation vieler Schutzgebiete wird in Russland insbesondere dadurch behindert, dass die Regierenden im Land  oftmals kein Interesse an der Aufstellung und Durchsetzung von Schutzvorschriften  haben. Das fehlende Interesse weiter Teile der russischen Bevölkerung, die zur  Zeit wahrlich andere Sorgen als den effektiven Schutz der Natur hat, trägt weiter dazu bei, dass der Naturschutz derzeit nur wenig Rückhalt in Russland findet.  Erst in letzter Zeit hat man sich jedoch auch von Seiten verschiedener, vorwiegend  nicht staatlicher Organisationen verstärkt um die so wichtige Öffentlichkeitsarbeit bemüht, so z.B. am 1996 vom WWF gegründeten Zapovednik Environmental Education  Center und am russischen Biodiversity Conservation Center, das den mittlerweile sehr erfolgreichen, jährlichen Marsch der Parke organisiert. Dennoch besteht v.a. vor Ort in den einzelnen Schutzgebieten und deren Umgebung noch erheblicher  Nachholbedarf bezüglich der Aufklärung und Einbeziehung der lokalen Bevölkerung.  Je nach Schutzgebietskategorie sind für das Management von Schutzgebieten in Russland sehr unterschiedliche Behörden zuständig. Ein großes Hindernis auf dem Weg zur Ausweisung neuer Schutzgebiete bzw. zur Erweiterung bestehender  Schutzgebiete und zur erfolgreichen Bekämpfung der Verstöße gegen existierende  Schutzvorschriften ist die seit der politischen Wende bis heute immer noch weitestgehend ungeklärte Eigentumsfrage in großen Teilen des Landes. Nach Meinung von Experten  würde erst eine Klärung der Eigentumsfrage und eine Übertragung der Zuständigkeiten  an unabhängige Organisationen die illegale Nutzungen wirkungsvoll eindämmen.  Die aktuelle Situation in den einzelnen Zapovedniki Russlands in Bezug auf illegale Nutzungen stellt sich dabei sehr unterschiedlich dar. Einen erheblicheren Schaden  verursacht das durch die weit verbreitete Armut der Bevölkerung verursachte  illegale Betreten, Abholzen, Jagen, Fischen und Sammeln (von Pilzen, Pflanzen und Pflanzenteilen). Dabei kann in Bezug auf das jeweilige Motiv zwischen der  Deckung des Eigenbedarfs und der Vermarktung der entsprechenden Produkte auf lokalen, regionalen und überregionalen Märkten unterschieden werden. Insbesondere China kommt bei letzterem eine führende Abnehmerrolle für nahezu alle erdenklichen  Naturprodukte aus Sibirien und Ussurien zu. Die sehr große Nachfrage in diesem  Land übt einen erheblichen Druck auf die natürlichen Ressourcen russischer Schutzgebiete  aus. Die bedeutendsten Probleme für das Management sowie den Bildungs- und Forschungsauftrag  der Schutzgebiete wirft aber deren Finanzmisere auf. Schließlich ergibt sich  im Zusammenhang mit der Ausweisung und Anerkennung von Schutzgebieten aufgrund  internationaler Initiativen und Kriterien derzeit in Russland v.a. das Problem, dass sich nationales und internationales Recht oft nicht ohne weiteres vereinbaren lässt und die russische Regierung zudem nur bedingt Interesse daran hat, die natürlichen Schätze des Landes internationalem Naturschutzrecht unterzuordnen. Internationale Organisationen brauchen wiederum die Sicherheit einer konsequenten  Durchsetzung von Schutzvorschriften in den von ihnen geförderten Schutzgebieten, auch nach internationalen Richtlinien, um den Einsatz ihrer Mittel gegenüber Spendern und Sponsoren zu rechtfertigen. Der Spagat zwischen dem Wunsch nach internationaler Anerkennung von russischen Schutzgebieten bei gleichzeitig möglichst  geringem Einsatz von russischer Seite hat in den letzten Jahren leider oft dazu geführt, dass entsprechende Schutzgebietskategorien in Russland internationale Kriterien doch nur in sehr aufgeweichter oder abgeschwächter Form erfüllen (Bomhard, B. http://sibirien.csiewert.de/; Bundesamt für Naturschutz: Deutsch-Russisches  Handbuch zum Naturschutz. Bonn/Moskau 2002).

Wald

Die romantische Vorstellung vom russischen Wald als einer grenzenlosen Wildnis ist ein Mythos. In Wirklichkeit besteht die Taiga aus Fragmenten von Wildnis unterbrochen durch anthropogen genutze Landflächen. Industrielle Waldnutzung  und dem folgende Waldbrände, landwirtschaftliche Landnutzung und Straßen sind die wichtigsten Ursachen für Waldzerteilung und Umwandlung im europäischen Teil  Russlands wie auch in südlichen Teilen Sibiriens und des Fernen Ostens. In West-Sibirien, im Norden Ost-Sibiriens und Fernen Ostens sind es vor allem die Rohstoffgewinnung  (Erze, Erdöl, Ergas, Kohle) und die massiven vom Menschen verursachten Waldbrände,  die zur Waldzerstörung und Fragmentation führen. Etwa 289 Millionen ha (26%  der Waldzone) kann man noch als intakte Wälder bezeichnen. Nur etwa 5 % dieser intakten Wälder befinden sich in Schutzgebieten. Ost-Sibirien hat noch die meisten intakten Wälder, gefolgt vom Fernen Osten und West-Sibirien.

Intakte Wälder sind natürlich, unzerteilt durch Infrastruktur  und vom Menschen unbeeinflußt. Sie sind groß genug um empfindlichen Population von Großsäugetieren einen Lebensraum zu bieten, frei von Randeinflüssen (Minimumareal  von 50 000 ha). Sie bestehen in der Regel aus einem Mosaik von Ökosystemen und  haben ein natürliches Feuerregime (Global Forest Watch 2002: Atlas of Russia's Intact Forest Landscapes. Moscow, www.forest  .ru).

 

 

 

Intakte Waldflächen innerhalb der Waldzone, Millionen ha Quelle:  Global Forest Watch 2002

 

Eine große Gefahr für die Wälder Russlands stellt das Abholzen dar. Die Karte zeigt wohin das Holz exportiert wird. Neben legalen Abholzungen  findet auch eine illegale Abholzungen statt. Es sind vor allem kriminelle Machenschaften,  ohne Genehmigung um schnell viel Geld zu verdienen. Aber auch arme Menschen auf dem Land benötigen zum Überleben Holz um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Frühjahr und Sommer kommt es in Sibirien oft zu ausgedehnten  Waldbränden. Dadurch werden riesige Waldgebiete vernichtet.

 Landschaftsplanung am Baikalsee

Das Geographische Institut der Akademie der Wissenschaften in Irkutsk wurde  1957 gegründet. Es beschäftigt sich mit zwei Hauptthemen: mit dem Bestand und der Entwicklung der Geosysteme und ihrer Komponenten und mit der Regionalentwicklung  Sibiriens. Von 1994 bis 1998 wurde ein gemeinsames Projekt zwischen Deutschland  und Russland "Ökologisch orientierte Landschaftsplanung in der Baikalsee-Region"  durchgeführt. Auf der deutschen Seite waren das Bundesamt für Naturschutz, Universität Hannover und Universität Berlin und auf der russischen Seite die Geographischen  Institute der Akademie der Wissenschaften in Moskau und Irkutsk beteiligt. Während der Exkursion besuchten wir das Geographie Institut und uns wurde das Projekt  anhang zahlreicher Karten anschaulich vorgestellt. Bearbeitet wurden mehrere  Region am Baikalsee. Zum Projekt sind detailierte Veröffentlichungen erschienen. Dazu gehört auch das Kleine Meer und Olchon. Die Veröffentlichung enthält viele  Daten, Planungsgrundlagen und Entwicklungsziele. Hier einige Beispiele.

Karte der landschaftsplanerischen Modellregionen in der Baikalsee-Region (Antipov,A.N.; Semenov,Yu.M. 2004: The russian school of landscape planning.  In: Geography of Siberia. Irkutsk)

Ökologische Zonierung der Baikalsee-Region (Antipov,A.N.; Semenov,Yu.M.  2004: The russian school of landscape planning. In: Geography of Siberia. Irkutsk)

Entwicklungsziele für Arten und Biotope (Antipov, A.N. 2004: ökologisch  orientierte Landnutzung in der Baikalsee-Region -Olchon Bezirk -, Irkutsk russisch)

 

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