Geologie

Der Baikalsee liegt in der Baikal-Sajan Faltungszone, die zwischen Präkambrium und Unteren Kambrium durch Kollisionen von Terrains und kleineren Kontinenten mit dem Sibirischem Kraton gebildet wurde. Das Baikalbecken selbst ist eine  Folge der Kollision der Indischen Platte mit der Sibirischen Platte im Känozoikum,  bei der das Himalaya-Gebirge entstanden ist und was zu tektonischen Prozessen  bis weit nordöstlich der Kollisionszone führte. Der Druck der Indischen Platte wirkt wie ein Keil und treibt die Amurplatte auch jetzt noch von der Sibirischen Platte nach Südosten weg. Im Baikalgebiet kam es dadurch ab dem Oligozän zur Ausbildung von insgesamt 15 Grabenbrüchen. Ein Grabenbruch, auch Rift genannt, bildet sich beim Auseinanderdriften von Platten. Dabei senkt sich entlang von Schwäche- und Dehnungszonen der zentrale Bereich zwischen den sich voneinander weg bewegenden Platten ab.

An solchen Grabenrändern können Schollen abbrechen, die sich entweder absenken,  oder heben, wenn sie eingekeilt werden. Im rechten Winkel zu den Grabenbrüchen  bilden sich weitere Verwerfungen Äon Ära Periode Beginn in Mio Jahren Phanerozoikum Känozoikum Neogen Holozän 23,03 Pleistozän Pliozän Miozän Paläogen Oligozän 65,5 Eozän Paläozän Mesozoikum Kreide 145,5 Jura 199,6 Trias 251,0 Paläozoikum Perm 299,0 Karbon 359,2 Devon 416,0 Silur 443,7 Ordoviz 488,3 Kambrium 542,0  Präkambrium.

Der Komplex der Grabenbrüche am Baikal wird unter der Bezeichnung Baikal-Rift-Zone zusammengefasst. Die tektonischen Prozesse halten noch an: jährlich weitet sich der Baikal durch die Drift der Amurplatte um 0,7-2 cm und senkt sich um 0,3mm. Die Vertiefung wird allerdings durch die beständige, jedoch geringe Sedimentation, kompensiert (Sedimentationsrate 4cm / a). Am Grund des Baikals lagert bereits  eine 6 km hohe Sedimentschicht. Weitere Zeugnisse der noch anhaltenden Prozesse  sind die immer wieder vorkommenden Erdbeben. Von den 15 Brüchen bilden drei  die Becken des Baikalsees. Das zentrale und tiefste Becken, in welchem sich die Insel Olkhon befindet, und das südliche Becken waren ab dem späten Oligozän  / frühen Pliozän wassererfüllt. Das nördliche, flachste Becken senkte sich erst  später und füllte sich dann mit Wasser. Das nördliche und das zentrale Becken sind durch den Akademiker-Rücken getrennt, der von Olkhon zur Halbinsel Svjatoi  Nos reicht und nur bei den Uzhkanij Inseln aus dem Wasser ragt. Das südliche  und das zentrale Becken werden durch den Sedimentfächer der Selenga getrennt. Andere bekannte Grabenbrüche in der Region sind das Barguzintal an der Ostseite des Baikal und das Tunkiski -Tal an der Südspitze des Baikals, die beide mit Sediment zwischen 2-3 km Mächtigkeit gefüllt sind. Senkrecht zu vorherrschender Verwerfungsrichtung NO-SW gibt es im Baikalgebiet eine Serie von Verwerfungen in NW-SO-Richtung. Entlang dieser fließen die Flüsse Angara, Sarma und Kyngyrga. An Kreuzungsstellen zweier Verwerfungen treten häufig mineralische oder thermischer Quellen aus, wie beispielsweise in Arshan, wo die Kyngyrga-Verwerfung die Tunka-Verwerfung  kreuzt. Einige Verwerfungen der Baikal-Rift-Zone weisen auch eine Nord-Süd-Ausrichtung auf, so das Becken des Khupsugul-See in der Mongolei, der wegen seiner ähnlichen Entstehung auch der kleine Bruder des Baikals genannt wird.

In einer heute 6-8 km tiefen Grabenstruktur hat sich in über 25 Mio. Jahren  das tiefste und älteste Süßgewässer unseres Planeten entwickelt. Die Ursache dafür liegt über 100 Mio. Jahre zurück, als die Platte des heutigen Indien sich auf die Eurasische Platte zu schieben begann . Der dabei entstandene Druck ließ  an den Rändern das Himalaya-Gebirge entstehen und verursachte im Hinterland das Brechen weiterer tektonischer Platten.

Dabei kam es im Gebiet des heutigen Baikal zu einer Bruchstelle (Rift), wobei  die Hügellandschaft von ca. 500 m auf Gebirgskämme bis über 2000 m angehoben wurde. Das Quell- und Flußsystem der Umgebung stellte sich um und begann die Öffnung zu füllen. Derzeit lassen sich im Untergrund des Baikal 3 Becken unterscheiden.  Das flache nördliche Becken (mittlere Tiefe 576 m, max. Tiefe 889 m) entstand  später als die beiden südlich liegenden Becken und wird durch den unterseeischen Akademiker-Gebirgsrücken begrenzt. Das ältere Becken ist durch den Sedimentkegel  des größten Zuflusses (Selenga) in ein mittleres (mittlere Tiefe 854 m, max.  Tiefe 1642 m) und südliches Becken (mittlere Tiefe 843 m, max. Tiefe 1432 m) unterteilt. Der Prozess der Riftzone Baikal ist noch nicht abgeschlossen, was durch die zahlreichen Erdbeben in dieser Region belegt ist. Rezent wird der  Baikal pro Jahr etwa 2 cm breiter und tiefer. Das letzte große Erdbeben gab es im Jahr 1861, als am Ostufer die Tsagan-Steppe, eine Fläche von 200 km2,  7-8 m unter die Wasseroberfläche des Baikal abrutschte.

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