Autonome Republik Burjatien

Burjaten

Das Volk der Burjaten stellt, nach den Russen, den größten Teil der Bevölkerung  im südlichen Baikalgebiet. Sie haben drei eigene Verwaltungseinheiten innerhalb der Russischen Föderation. Die Größte davon ist die Autonome Republik Burjatien. Sie erstreckt sich vom Nordufer über das Ostufer des Baikals bis in das Khamar-Daban-Gebirge, das Tunka-Tal und das Ost-Sajan Gebirge. Die südliche Begrenzung der Republik stellt die Grenze zur Mongolei dar, östlich schließt sich der Oblastj Chita  an, westlich die Autonome Republik Tuwa und nördlich der Baikal und die Irkutsker Oblast. Die Hauptstadt der Republik ist Ulan-Ude mit 365 500 Einwohnern (Stand 2004). Die Größe der Republik entspricht mit 351 300 km2 in etwa der Deutschlands  und sie hat eine Bevölkerungsdichte von 0,5 - 8 Einwohnern / km². Weitere große Städte sind Severobaikalsk im Norden und Babushkin am Ostufer des Baikals. Die  anderen zwei kleineren Verwaltungseinheiten sind der Autonome Kreis der Aginer Burjaten, eine Enklave im Oblastj Chita östlich der Republik Burjatien und der Autonome Kreis der Ust-Ordinsker Burjaten, ebensfalls eine Enklave, innerhalb der Irkutsker Oblast.

Geschichte

Vor dem 13 Jhdt. siedelten direkt am Baikal das Volk der Kurykanen und im Gebiet des heutigen Burjatien in der Selenga-Region die verschiedene Stämme der Barguten,  Chora, Echiriten, Chongodoren, Bilagaten, Tabunuten u.a. Bei der Ausdehnung dieser Stämme Richtung Norden lebten sie zusammen mit den Kurykanen in loser  Gemeinschaft in nomadischer Lebensweise. Im 13.Jhrdt rückte Dschingis Khan vor  und die Baikalregion geriet unter mongolische Herrschaft. Aus dieser Zeit stammen  die einzigen Quellen zu den Vorfahren der heutigen Burjaten und bis zur Eroberung  des Gebietes durch die Russen gibt es keine weiteren schriftlichen Zeugnisse  zur Geschichte der Burjaten. Ab Anfang des 17.Jhrdts drängten die Russen in die Baikal-Region vor. Sie erwähnen in ihren Quellen die Bewohner als "Bratskije Ljudi" ("Ljudi" russ.: Leute) Die Gemeinschaft der Stämme selbst nannten sich  "Buraad". Im Westen vom Baikal war der Widerstand gegen die Russen groß, da die damaligen Burjaten die benachbarten Waldvölker der Ewenken, Tofalaren und  Sojoten tributpflichtig gemacht hatten und nun um ihren Einfluss in dieser Region fürchteten. Die Bewohner des Ostens waren fortwährend unter wechselnder Herrschaft von China und der Mongolei, sodass ihnen die Ansiedlung der Russen eine vorteilhafte  Alternative schien. Ab den 1630iger Jahren siedelten die ersten russischen Kosaken, Händler und Bauern im burjatischen Gebiet. 1631 wurde die Festung bei Bratsk  gegründet und der Osten des Baikalgebietes wurde vom Nordwesten aus etwas später  und, aufgrund der naturräumlich-klimatischen Bedingungen, dünner besiedelt.  1666 wurde die heutige Hauptstadt der burjatischen Republik Ulan-Ude unter dem damaligen Name Verchneudinsk gegründet. Burjatien wurde sowohl von China als auch von Russland beansprucht, fiel 1727 aber nach Vertragsverhandlungen schließlich Russland zu. Die Ansiedelung der Russen veränderte das Leben der Burjaten: sie wurden in ihrer nomadischen Lebensweise behindert und mussten der zaristischen Herrschaft Tribut in Form von Vieh und Fellen entrichten. Nach und nach übernahmen die Burjaten die Lebensweise der Russen: sie gingen zur Sesshaftigkeit über, übten Ackerbau aus und wohnten statt bis dahin in Jurten aus Filz nun in achteckigen Holz-Jurten oder in Blockhäusern. 1897 lebten bereits 48% der Burjaten vom Ackerbau. Allerdings ließ sich bezüglich dieses Wandels der Lebensweise eine Teilung in West- und Ostburjaten feststellen. Die Burjaten im westlichen Teil des Gebietes  hatten früher Kontakt zu Russen und es siedelten weit mehr Russen in diesem Gebiet. Deshalb gingen sie hier früher zu einer nichtnomadischem Lebensweise  über als die Burjaten im Osten, die wegen der weniger fruchtbaren Böden im Osten  nicht im gleichen Maße von der Ansiedlung der Russen betroffen waren. Dort waren in den Jahren 1928/29 nur 9,8% sesshaft. Die Kollektivierung und die Einführung  der Kolchosen beendete schließlich diese traditionelle Lebensweise. Zur Zeit  des Russischen Bürgerkrieges bestand als Folge von Auseinandersetzungen mit Japan 1920-1922 die "Fernöstliche Republik", deren Grenze zur RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) durch Burjatien verlief und es so  in zwei Republiken teilte. Nach dem Sieg über die Japaner wurde 1923 schließlich die Burjatisch- Mongolische ASSR (Autonome Sozialistische Sowjetrepublik) gegründet, die 1958 in "Burjatische ASSR" umbenannt wurde. Bis in die 30iger Jahre gehörten auch die Gebiete an der Westküste des Baikals, die von Burjaten bewohnt werden,  wie der Rajon Olkhon und der heutige Autonome Kreis der Ust-Ordynsker Burjaten  zur Burjatischen Republik. Um jedoch den Einfluss von nationalen Strömungen  zu schwächen wurde 1937 das Gebiet der Burjaten aufgeteilt in die Republik Burjatien,  in den Autonomen Kreis Ust- und den Autonomen Kreis der Aginsker Burjaten. Die  Insel Olkhon mit den vielen für Burjaten heiligen Stätten wurde bewusst aus dem Verwaltungsbereich der Burjaten herausgenommen. 1990 proklamierte Burjatien  seine Souveränität und seit März 1992 ist Burjatien eine autonome Republik innerhalb  der Russischen Föderation Die Burjaten sind in ihrer Republik mit etwa 30% gegenüber  etwa 65% Russen in der Minderheit. Der Rest der Bevölkerung zählt zu den Ukrainer,  Tataren, Weißrussen und Sojoten (Im Tunka-Tal). Im Ust-Ordinskij Kreis sind  35% und im Aginski Kreis 55 % der Einwohner burjatisch. Außer in Russland leben auch noch in der Mongolei sowie in China Burjaten. 5.2.3 Wirtschaft Burjatien ist reich an Bodenschätzen, wie Braunkohle, Eisenerz, Zink (48% des gesamtrussischen Vorkommens), Blei, Gold, Wolfram, Graphit und Halbedelsteine. Diese Vorkommen führten zum Aufbau der Industrie, die mit dem Bau der Transibirischen Eisenbahn  ausgebaut wurde. Wichtige Wirtschaftszweige sind der Maschinenbau und Metallverarbeitung, der Bergbau, die Holzindustrie, die Celluloseproduktion, die Pelzindustrie und die Landwirtschaft.

Burjatische Sprache

Die Burjatische Sprache (burjatisch "Buriad Chele") wird dem Sprachbund der  Altai-Sprachen zugeordnet. Mit diesem Begriff werden die Turksprachen, die mandschu-tungusischen  Sprachen und die mongolischen Sprachen zusammengefasst. Der gemeinsamer Ursprung  dieser Sprachgruppen wird zwar diskutiert, scheint aber wenig wahrscheinlich. Trotzdem ist eine Zusammenfassung zu einem Sprachbund aufgrund ihrer Ähnlichkeit  infolge langen Kontaktes gerechtfertigt. Zur Gruppe der mongolischen Sprachen oder genauer der ostmongolischen Sprachen, zählt Burjatisch. In der autonomern  Republik Burjatien ist Burjatisch neben Russisch die Amtssprache. Ursprünglich  wurde die vertikale Schrift der Mongolen verwendet, doch mit den im 19 Jhrdt entstehenden Schulen wurde die kyrillische Schrift eingeführt. 1931 wurde diese  durch lateinische Buchstaben ersetzt, bis schließlich kurz darauf unter Ergänzung  durch 3 zusätzlichen Zeichen wieder Kyrillisch zur Widergabe des Burjatischen verwendet wurde.

 Glaube

Insgesamt ist der Animismus, Schamanismus, und der tibetischen Buddhismus, der auch als Lamaismus bezeichnet wird, verbreitet und verschiedene Mischformen aus Elementen aller, wobei die Burjaten im Westen des Baikalgebietes weniger vom Lamaismus als mehr vom Schamanismus beeinflusst ist und die Burjaten im Osten mehr dem Lamaismus anhängen. Im Animismus herrschte die Vorstellung, dass  in der Natur alles von Göttern bewohnt ist, z.B. Bäume, Berge, Flüsse und die Elemente Feuer, Wasser, Luft usw. Um diese Götter gut zu stimmen, muss ihnen  der Mensch Opfer bringen. Mit Schamanismus wird keine Religion im Sinne von einem Glaube an bestimmte Götter bezeichnet, sondern die Ausübung von rituellen Handlungen, besonders im Zusammenhang mit Trancezuständen, bei denen der Schamane  die zentrale Rolle spielt. Er gilt als Vermittler zwischen der Welt der Geister und Götter und der des Irdischen. Durch Tanz, Trommeln oder verschiedenen psychedelisch  oder zumindest berauschend wirkenden Mitteln, auch Vodka, versetzt sich der Schamane in Trance. Er ist dann, so wird geglaubt, in der Lage Kranke zu heilen,  böse Geister abzuhalten, Voraussagungen zu machen, Verwünschungen zu entkräften,  das Wetter vorherzusagen und zu bestimmen und bei der Jagd zu helfen. Jeder  Schamane hat einen oder mehrere Geister, Ongon genannt, die ihm helfen. Der Schamane hat in der Gemeinschaft nicht nur religiöse Bedeutung, sondern galt  besonders früher auch in allen anderen Bereichen als Autorität. Sein Einfluss auf die gläubigen Bewohner war so groß dass Schamanen in den 1930iger Jahren unter Stalin systematisch verfolgt wurden. Ein wichtiges Symbol im burjatischen  Schamenenglauben ist der Baum. Der Weltenbaum Toroo steht als Achse zwischen den drei Welten Himmel, Erde und Unterwelt und gilt so als Zentrum der Welt.  Besonders große oder ungewöhnliche Bäume stehen stellvertretend für diesen Weltenbaum und von ihnen wird angenommen, dass in ihnen Geister wohnen, wie etwa die Hilfsgeister  der Schamanen. An solche Bäume werden Bänder an die Zweige gebunden zur Erfüllung eines bestimmten Wunsches oder in Angedenken eines Toten. Diese Bäume werden "barisaa", Gebetsbaum, genannt oder "Ongonmodon", Wohnstätte der Geister. Ebenfalls  mit Bändern behängt werden die "Serge": ein oder mehrere Holzpfähle, die ursprünglich vor Jurten standen um an ihnen die Pferde anzubinden, werden an heiligen Orten aufgestellt und dienen als Opferstelle. Opferstellen werden allgemein als "Obo"  bezeichnet und an ihnen werden kleine Opfergabe abgelegt oder sie werden eben  mit Bändern umwickelt. Die Russen haben diesen Brauch übernommen und auch sie  würdigen an Obos die dortigen Götter. Bei am Wegesrand stehende Obos wird im  Vorbeifahren etwas Kleingeld aus dem Fenster geworfenes oder etwas Vodka geopfert.  Gelegentlich besteht das magere Opfer nur aus etwas Müll, welches man trotzdem  nicht wegnehmen sollte, denn es ist nicht erlaubt, etwas von der Opferstelle zu entfernen. Auch außergewöhnliche Steine und Felsen sind unter Burjaten heilig,  denn sie berühren Himmel und Erde. Beispiele dafür sind die heiligen Stätten  der Insel Olkhon (sh. dort) und der Schamanenstein in der Angara. Der Buddhismus,  der in Burjatien verbreitet ist, gehört zur Schule des tibetischen Buddhismus,  der wegen der wichtigen Funktion des Lehrmeisters, des Lama, auch Lamaismus genannt wird. Im 17 Jhdt wanderte diese Glaubensrichtung in die Baikalregion ein, die sich zuvor in der Mongolei verbreitet hatte und dort den Schamanenglauben  teils integrierte, teil aber auch gewaltsam unterdrückte. In Burjatien verbreitete  sich dieser Glaube sehr schnell und die Zahl der Lamas stieg schnell an, vor  allem auch deshalb, weil diese von der Abgabepflicht befreit waren. Auch in Burjatien wurde der Schamanismus erst von den Lamaisten bekämpft, doch die Schamanen konnten sich in die Gebiete westlich des Baikals flüchten, wo der Buddhismus  bis heute keine große Verbreitung fand. Religiöses Zentrum des Lamaismus bilden die Datsane, Klöster mit Wohn-, Arbeits- und Gebetsstätte für die Lamas und  ihre Schüler. 1916 gab es im burjatischen Gebiet 34 Klöster mit 15.000 Lamas. Unter Stalin wurden in den 1930iger Jahren alle buddhistische Klöster in Burjatien geschlossen und viele auch zerstört. Die Lamas und Mönche wurden verfolgt und  in Lagern interniert oder umgebracht. Heute gibt es regionale Mischformen aus Schamanismus und Lamaismus, wie im Tunka-Tal, das zwischen dem lamaistisch geprägten  Osten und dem schamanistisch geprägten Westen liegt. Der Lama tritt dabei an  die Stelle der Schamanen als Wahrsager und Heiler aus beiden Glaubensrichtungen wurden Elemente übernommen.

Tunka-Tal

Das Tunka-Tal liegt in West-Ost-Erstreckung in der Verlängerung zur Baikal-Riftzone, und ist, ebenso wie das Baikalbecken, eine Senke die durch einen Grabenbruch  entstanden ist. Allerdings liegt das Tunka-Tal auf höherem Geländeniveau als  das Baikalbecken und ist vom Baikal durch einen kleinen Bergrücken getrennt. Das Tal endet im Westen an der Russisch-Mongolischen Grenze. Das Tal ist in  voller Ausdehnung Gebiet des Tunkiskij National Parks (sh. dort) Eingefasst wird das Tal vom Gebirgszug der Tunkiskie Golzi des Ost-Sajans im Norden und vom Khamar-Daban-Gebirge im Süden. Einer Legende nach sind 33 gute Geister vom Himmel auf die Erde gekommen, um böse Geister zu vertreiben und diese 33 Geister blieben auf der Erde und bilden jetzt die Berge in diesem Gebiet. Auf der tiefsten Ebene des Tales fließt der Fluss Irkut (burj.: komm zu mir), der im Sajangebirge  entspringt und in Irkutsk in die Angara mündet. Die ursprüngliche Bevölkerung in dieser Gegend waren Burjaten und Sojoten, ein Waldvolk, das später fast ganz in den Burjaten aufgegengen ist. Nur noch wenige bezeichnen sich selbst als  Sojoten. Man sagt, die Burjaten im Tunka-Tal seien hellhäutiger als die übrigen Burjaten, was durch ihren angeblichen Ursprung aus Vasallen Dschingis Khans  erklärt wird, die eine höhere Position inne hatten, als die restlichen Untertanen und sich deshalb von diesen separierten. Die erste russische Festung war die  heutige Siedlung Tunka die von Kosaken gegründet wurde. Die heutige Bevölkerung lebt fast ausschließlich von der Land- und Forstwirtschaft und von der Jagd.

 

Mineralquellen

Von den Mineralquellen in der Baikal-Rift-Zone sind im Tunka-Tal einige als  Heilquellen bekannt geworden. Die Orte Arshan und Nilova Pustin waren zu Sowjetzeiten  viel besuchte Kurorte und auch die Zhemchug-Quelle mit ihrem heißen Wasser wird inzwischen viel von Touristen besucht. Die Zhemchug-Quelle ("Zhemchug" russ.: Perle) wurde in den 1950iger Jahren bei Ölbohrungen entdeckt und wird erst seit  2003 zu Heilzwecken genutzt. Sie gehört zum Tunka-Quelltyp der methanhaltigen  Quellen. Das Wasser ist Strontium und Lithium-haltig, es enthält Hydrogencarbonat und hat einen nur geringen Salzgehalt. Das Wasser eignet sich zur inneren und  äußeren Anwendung und soll gegen Magen-Darmbeschwerden, Gelenkserkrankungen  und bei Hautproblemen helfen.

Erdbeben

Ein Zeugnis der anhaltenden tektonischen Prozesse in dieser Region des Ost-Sajan ist die seismische Aktvität. Jeden Tag finden Beben statt, allerdings meist unter der Stärke 2. Die stärksten Beben in dieser Region seit Beginn der Aufzeichnungen  dazu im 19 Jhrdt. waren 1814 bei Kyren (Stärke 9), 1829 in Tunka (Stärke 6,5),  1850 im Tunka Tal mit der Stärke 8 und in Irkutsk mit der Stärke 5 und 1995 in Sun-Murino mit der Stärke 7 und in Irkutsk mit der Stärke 5. Bei diesem Beben  sind viele Häuser zerstört worden und ein Teil des Kyngarga-Tales ist abgestürzt  und hinterließ eine Staubwolke, die sich zwei Wochen lang hielt. Das letzte größere Erdbeben war im Jahr 2000 und hatte die Stärke 6-7.

Vulkane

Im Tunkinski Tal sind noch Reste von 9 Vulkankratern zu sehen. Sie waren hier  im Miozän bis ins Pleistozän aktiv. Die Krater sind zwischen 4 und 150 m hoch.  Einige ragen aus Moorflächen heraus, einige sind bewaldet oder stehen frei im Tal. Der bekannteste davon ist das Naturdenkmal Khuraj-Khobok. Dies war ein  Vulkan mit gasreichen Schlacken, der porösen Basalt-Tuff und Aschebomben hinterlassen hat. Am Krater ist an einer Seite Tuff abgebaut worden, der als Isolationsmittel für den Hausbau und für den Straßenbau verwendet wurde. Die einzelnen Schichten  des Vulkans die sich bei verschiedenen Auswürfen von Schlacke und Aschebomben  abgelagert haben, sind an dieser Stelle gut zu sehen. Auch die Auswaschung von  Natrium und Calcium sieht man hier gut an den weißen Überzügen der Schichten. Das Residuum ist dadurch angereichert mit Eisen und Kieselsäure. Die Böden an  den ehemaligen Vulkanen unterscheiden sich in chemischer Zusammensetzung, Korngröße und Bodenporen vom übrigen zonalen Böden der Region. Sie sind sehr wasser- und luftdurchlässig und fruchtbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tunkinskij National Park

Der 1991 eingerichtete Tunkiskij National Park liegt entlang des Tunka -Tales  bis zu den Hängen des Sajan-Gebirges und des Khamar-Daban-Gebirges. Es umfasst  die gesamte Verwaltungseinheit der Tunkiskij Region und gehört mit einer Fläche von ca. 1200 000 ha zu Russlands größten Nationalparks. Im Tal findet sich Steppe,  an den Südhängen des Sajan-Gebirges eine trockene und an den Nordhängen des Khamar-Daban eine feuchte Ausprägung von Gebirgsökosystemen. Die Verwaltung  des Parkes liegt im Ort Kyren im Tunka-Tal. Die Aufgaben des Parkes werden in  den vier Abteilungen Waldschutz, Erholung, Naturschutz und Wirtschaft bearbeitet. Im Moment wird an der Inventarisierung des Naturbestandes gearbeitet, die innerhalb der nächsten 15 Jahre beendet sein soll. Ein weiteres Projekt widmet sich der  Wiedereinführung der traditionellen Haustiere Schaf, Ziege, Kamel und Pferd.  In nächster Zukunft sollen spezielle Schutzgebiet für den Jungfernkranich (Grus virgo) ausgewiesen werden. Die Probleme des Nationalparkes sind, wie auch in  anderen Schutzgebieten: unkontrollierte Jagd und illegaler Holzschlag. Die Naturparkverwaltung  versucht das Problem der unkontrollierten Jagd einzuschränken, indem sie Jagdtouristen  an Jäger vermittelt, die gegen Entgelt eine Jagd auf ausgesuchte Arten an ausgesuchten  Plätzen organisieren. So soll vermieden werden, dass Tiere geringer Abundanz  bejagt werden. Doch im Gegensatz zum Pribaikalskij Nationalpark führt diese Idee im Tunkiskij Nationalpark noch nicht zum erwünschten Resultat. Organisationen aus Ulan-Ude sind bislang erfolgreicher im Anwerben von Jägern. Der von der  IUCN als gefährdet eingestufte Moschushirsch ist im Gebiet des Nationalparkes zahlreich, ebenso auch Unterarten des Rothirsches (Cervus elaphus). Auch der selten und gefährdete Schneeleopard ist im Sajan zu finden. 99% der Brände sind  anthropogen verursacht. Es wird nicht versucht sie zu löschen, sondern nur sie  durch Legen von Schneisen und Gegenbränden an der Ausbreitung zu hindern.

Die Kurorte Arshan und Nilova Pustin

Der Kurort Arshan liegt im Tunka-Tal am Fuß der Tunkinskij Golzi. Der Name heißt auf Burjatisch "Mineralquelle" oder "heilendes Wasser" und erklärt damit  die Berühmtheit dieses Kurortes. Das Wasser wurde schon früh von der einheimischen  Bevölkerung zu Heilzwecken genutzt, aber erst zu Beginn des 20 Jh wurde die Siedlung Arshan gegründet. 1920 wurde die erste Kureinrichtung gebaut und der  Ort entwickelte sich zu einem gut besuchten Kurort. Von 1974 bis 1985 wurde  für den Bau eines Sanatoriums eine Strafkolonie angesiedelt. Zur Sowjetzeit wurden Kuraufenthalte staatlich zugeteilt und so konnte sich Arshan über Besuch von Kurgäste sicher sein. Nach dem Ende des Kommunismus ist die Bedeutung als  Kurort zurückgegangen, aber touristischer Anziehungspunkt ist Arshan geblieben. Das Wasser der Arshan-Quellen ist schwefel- und kohlensäurehaltig, hat Temperaturen  zwischen 12°C und 44°C und soll gegen Verdauungs- und Stoffwechselstörungen,  Herz- und Kreislaufbeschwerden helfen. Das Wasser wird auch in Flaschen abgefällt  und in der weiteren Region verkauft. 3 Mio Flaschen jährlich. Durch Arshan fließt  der Fluss Kyngyrga, der in den Tunkinski-Bergen entspringt, entlang der Kyngyrga-Verwerfung fließt und direkt vor Arshan einen 5-6 m hohen Wasserfall hinab ins Tal stürzt. Aus diesem Fluss bezieht die Bevölkerung Arshans ihr Wasser. Wie auch Arshan war Nilova Pustin zu Sowjetzeiten ein berühmter Kurort, der jetzt nur noch von  regionaler Bedeutung ist. Die Quellen gehören zum Kohlesäure-Typ und ihr Wasser hat eine Temperatur von 42°C. Die Heilwirkung des Wassers, das nur zur äußeren Anwendung bestimmt ist, ist schon seit 1830 bekannt und soll vor allem vom Radon  ausgehen. Das Radon hat einen aufweichenden Effekt auf die Knochen, weswegen  nach der Kur zwei bis drei Monate keine körperlich schweren Arbeit verrichtet  werden soll. Die Knochen könnten der Last nicht mehr standhalten. Während dieser  Ruhepause erholt und regeneriert sich der Körper und dann tritt die Heilwirkung ein. Die Kur soll bei Arthritis und allgemein bei entzündlichen Erkrankungen helfen und es soll die Blutzirkulation der Haut und des Gewebe fördern.

 

Chamar-Daban-Gebirge

Das Chamar-Daban-Gebirge am Süd-Ost Ufer des Baikal zählt zu der östlichen Erhebung der Baikal-Riftzone. Dem gegenüber steht das Sajan-Gebirge am Süd-West Ufer. Die beiden Gebirgsrücken werden gewissermaßen durch die südliche Fortführung des Baikalgrabens, das Tunka-Tal voneinander getrennt. Das Chamar-Daban-Gebirge ist in mehrere kleine Gebirge unterteilt. Der Südhang grenzt an die Mongolei und ist auf Grund geringerer Niederschläge im Vergleich zum Nordhang durch das Vorkommen von ausgedehnten Steppen geprägt. Der Nordhang des Gebirges zählt  zu den 39 feuchtesten Hängen im Baikalgebiet. Die Winde aus Nord-westlicher Richtung bringen viel Feuchtigkeit mit und regnen sich an dem Gebirge ab (mittlere Jahresniederschlag: 1200-1400 mm). Der Großteil der Niederschläge fällt im Sommer  und im Winter, was einen feuchten Sommer und schneereichen Winter, der die Vegetation vor Frost schützt, zur Folge hat. Die Nähe zum Baikal bedingt außerdem eine  hohe Luftfeuchtigkeit, was sich wiederum in einer besonderen Vegetation niederschlägt. Auf Grund der Höhenlage (vergleichbar mit Deutschland) wäre ein Laubwaldtyp zu erwarten. Tatsächlich ist der dominante Baumtyp aber Nadelwald und Laubwald ist nur inselhaft vorhanden. Das extreme kontinentale Klima können Laubbäume  nur schlecht vertragen. Außerdem liegt die Waldgrenze mit 1100m im Vergleich  zu anderen Gebirgen (Bargusin: 1600-1800 m) relativ weit unten, da auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit Kälte weniger gut von den Pflanzen vertragen wird.  Am Ostufer, in der Nähe des Ortes Murino, befindet sich ein Pappelwald (Populus  suaveolens). Hier befindet sich die Westgrenze dieser Art. Pappeln gelten in  der Nähe von Fluss-und Bachläufen als Pionierart. Außerdem sind an dieser Stelle viele Laubbaum-und Kräuter-Arten unserer Mittelbreiten anzutreffen. Waldstenia  ternata als Charakterart beispielsweise ist in westlichen Laubwäldern (Karpaten), im fernen Osten und im ChamarDaban- Gebirge vorzufinden. Außerdem sind an diesem Standort Reliktarten, wie z.B. der Seidelbast Daphne mezereum L., vorhanden. Diese Art ist ein Relikt aus dem Tertiär, als das Klima noch wärmer war und  kann in dem heutigen kontinentalen Klima noch überleben. Oberhalb der Waldgrenze  findet man im Chamar-Daban Pinus pumila-Matten, die hier ihre westliche Grenze der Verbreitung finden. Im Sajan-Gebirge sind sie bereits nicht mehr vorhanden.

 

Ulan-Ude

Ulan-Ude (burjatisch: rote Uda), die heutige Hauptstadt der Republik Burjatien liegt an der Mündung der Uda in die Selenga, etwa 140 km (ca. 70 km Luftlinie)  östlich des Baikal. Die Stadt zählt circa 370 000 Einwohner, davon knapp ein  Viertel Burjaten. 1666 wurde die Stadt erstmals unter dem Namen Udinsk erwähnt,  als die ostwärts strebenden russischen Kosaken, unter dem Hauptmann Gavril Lovzov,  ihr Winterlager aufschlugen. Im Jahre 1677 machte der russische Gesandte Nikolaj  Spafarij auf dem Weg nach China hier Rast und empfahl auf Grund der strategisch günstigen Lage die Errichtung eines Ostrogs, einer Festung. In zwei Etappen  (1680, 1688) wurde die Befestigung soweit ausgebaut, dass der nun Verchneudinsk  (bedeutet so viel wie Ober-Udinsk) genannte Ort zwei Jahre später den Status  einer Festung erhielt. Die Festung zog viele Siedler an, so dass die Stadt im Jahre 1783 Recht und Wappen erhielt. Ab 1768 fanden in der Stadt regelmäßig, zweimal im Jahr, im August und Januar, große Handelsmessen auf dem Marktplatz statt. Damals lebten circa 3000 Einwohner in der Stadt. 1803 beschloss die Kaufmannschaft  den Bau eines riesigen, quadratischen Handelshofes. Mit diesem Vorhaben hatte  man sich jedoch übernommen, was zur Folge hatte, dass das Bauwerk, mit einigen  Umbauten, erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts fertig gestellt wurde  und auch noch heute das Zentrum der Altstadt bildet. 1822 wurde die erste Brücke  über die Uda gebaut. Fast zur gleichen Zeit wie Irkutsk, wurde auch Verchneudinsk am 10.7.1878 von einem Großbrand heimgesucht. Über die Hälfte der Stadt wurde dabei zerstört, und der Neuaufbau vorwiegend in der Steinbauweise vollzogen. 1899 erhielt die Stadt Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn und die Industrie begann sich zu entwickeln. Im Februar 1918 kam die Oktoberrevolution nach Transbaikalien. Es folgte ein Bürgerkrieg, bis sich die Sowjetmacht im Februar 1920 etablierte.  Bis 1923 gehörte die Stadt aber noch zur Fernöstlichen Republik. Dieses Staatssystem  war als Pufferstaat zwischen Japan und 40 Sowjetrussland ausgehandelt worden.  Nach Anschluss an die Sowjetunion wurde Verchneudinsk Hauptstadt der burjatisch-mongolischen, autonomen, sozialistischen Sowjetrepublik Burjatien. 1934 erhielt die Stadt  ihren heutigen Namen Ulan-Ude. Nach der Wende erhielt Burjatien den Status einer  Republik innerhalb der russischen Föderation. Heute ist die Stadt ein bedeutender Industriestandort (Eisenbahnwerkstätte, Hubschrauberfabrik, Bauwirtschaft, Lebensmittel verarbeitende Industrie). Touristisch ist die Stadt weitestgehend unbekannt. Viele Sehenswürdigkeiten (230 denkmalgeschützte Gebäude), die landschaftliche  Schönheit und die Bindung zum Buddhismus (1949 gegründete Lamakloster Ivolginsk)  und zur Mongolei machen einen Besuch in Ulan-Ude jedoch lohnenswert. Das buddhistische Kloster Ivolginsk, 40 km westlich von Ulan-Ude entfernt, zählt als das zentrale  Heiligtum des Buddhismus in Russland. Nachdem unter Stalin in den 30er Jahren  alle buddhistischen Tempel zerstört wurden, erlaubte er, im Zuge einer Lockerung  in Religionsfragen, außerhalb der Stadt Ulan-Ude einen Tempel und ein Kloster zu errichten. Hier hat seitdem der Hambo-Lama, der oberste Lama für ganz Russland,  seinen Sitz. Seit 1995 hat Damba Ajuschejev, als 25. Hambo-Lama, dieses Amt inne. 1991 und 1993 besuchte der Dalai-Lama das Kloster Ivolginsk. Seitdem ist es ihm auf Grund chinesischer Aktionen verwehrt geblieben. Die chinesische Regierung  hat einen großen Einfluss auf die Republik Burjatien. Derzeit leben und arbeiten  viele Chinesen in dieser Region. Die meisten Mönche erhielten ihre Ausbildung  in der Mongolei. Dank der allgemeinen Öffnung in Russland konnten die Beziehungen zu anderen Buddhisten, besonders in Tibet, wieder aufgenommen werden und somit  auch die Mönche im Kloster Ivolginsk seit 1991 wieder selbst ausgebildet werden.  Im Herbst 2002 machte das Kloster weltweit Schlagzeilen. Der 12. Hambo-Lama  Dorscho Itigilov lebte 1852 bis 1927 in dem Kloster. Seinem Wunsch gemäß wurde  er in der Lotus- Pose begraben und nach 30 Jahren wieder ausgegraben. Man fand  den Leichnam voll konserviert in der Lotus-Pose vor. Aus Angst vor der politischen Obrigkeit betteten die Mönche den Leichnam in einen mit Salz gefüllten Sarg. Zum 75. Todestag, 2002, aus Anlass eines Traumes eines anderen Lamas, öffnete  man den Sarg und fand keine Spuren der Verwesung. Derzeit wird der Leichnam,  der das Nirwana erreicht hat, nur ausgewählten Delegationen zur Besichtigung freigegeben. Das Klostergelände steht der öffentlichen Besichtigung zur Verfügung. Aus Respekt vor der praktizierten Religion, sollte man sich an die dort herrschenden Regeln halten, und beispielsweise das Gelände nur im Uhrzeigersinn durchlaufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bargusintal

Das Bargusintal liegt am Nord-Ost Ufer parallel zum Baikal und wird von dem  gleichnamigen Fluss Bargusin durchflossen, der etwa auf der Höhe der Halbinsel  Svjatoi Nos in den Baikal mündet. Das Bargusintal ist ein Modell der tektonischen Bruchtäler des Baikal. Der Baikal selbst besteht, wie schon erwähnt aus drei solchen Tälern (nördliches, mittleres, südliches). Die Sedimenthöhe im Baikal  beträgt etwa 6 km, im Bargusintal dagegen circa 2 km. Das 42 Baikalseebecken ist das älteste, aber auch das tiefste, weswegen es im Gegensatz zu den meisten  Nebenbecken noch nicht verlandet ist. Weitere solche Becken befinden sich im Norden und Süden des Baikal. Der Boden dieser Becken sinkt derzeit nach Westen ab. Aus diesem Grund fließen die meisten Flüsse in diesen Tälern am westlichen Gebirgsrand. Im Bargusintal selbst sind zwei verschiedene Zonen zu unterscheiden. Im Osten steigt das Grundwasser an die Oberfläche, transportiert dabei Salz  mit und führt zu einer Genese von Salzböden. Im Westen dagegen wird das Salz im Boden auf Grund der höheren Niederschläge ausgewaschen. Je nach Exposition  dominiert die Vegetation Wald oder Steppe. Am Südhang auf Grund geringerer Niederschläge sind Steppen weit verbreitet und am Nordhang auf Grund höherer Niederschläge  Wald. Dazu kommt der Einfluss des Menschen durch Beweidung, der in diesem Tal schon sehr lang anzutreffen ist.

 

Svjatoi nos

Die Halbinsel Svjatoi Nos (russisch; Heilige Nase) ist Nationalparkgebiet. Die Halbinsel selbst hängt mit dem unterirdischen Akademiker-Gebirgsrücken zusammen, der das nördliche Becken vom mittleren trennt. Südlich der Insel mündet der  Fluss Bargusin in den Baikal. Durch ufernahe Strömungen wird Feinsediment am Ufer entlang transportiert so dass schließlich die Verbindung zwischen Festland  und Insel entstand. Unter Wasser fällt das Sediment nach Westen sehr schnell sehr steil ab. 43 Der Wasserstand im Baikal unterliegt klimatisch bedingt natürlichen  Schwankungen. Ein hoher Wasserstand verursacht mehr Ablagerung am Ufer. Diese  Periodizität führt zur Wallbildung, was besonders gut an der Verbindungsstelle  zwischen Festland und der Insel Svjatoi Nos zu erkennen ist. Vor circa 10000  Jahren begann die Wallbildung aus verschiedenen Seiten einzusetzen, so dass  in der Mitte schließlich der See Arangatui entstanden ist. Insgesamt sind 6 Perioden abgrenzbar, von denen jede einzelne zwischen 1500 und 1800 Jahre andauerte. Verstärkt wird dieser Vorgang durch die tektonische Besonderheit, dass sich  der See senkt und das umliegende Gebirge hebt. Der scharfe Wechsel zwischen  Wall und Mulde ist auch an der Vegetation erkennbar. Der trockenere Standort  Wall ist mit Kiefer und Unterwuchs bestockt, während sich in den Mulden, bedingt durch größere Feuchtigkeit, Seggenmoore ausbilden. Insgesamt ist der Standort auf Grund des Sandes sehr nährstoffarm.

 

Mineralquellen

Das Gebiet des Baikal, und im besonderen Burjatien steht in Russland an zweiter  Stelle der Mineralquellen-Vorkommen. An erster Stelle steht der Kaukasus. Die  Riftzone Baikal ist auch heute noch sehr aktiv (bis zu 3000 Erdbeben pro Jahr), das bedeutet, dass immer wieder neue Mineralquellen entstehen und vernichtet  werden. Insgesamt gibt es in Burjatien über 400 Mineralquellen, wovon aber nur  3 als Kurstandorte genutzt werden. Ein weiterer sehr bekannter Kurort ist der Ort Arschan im Sajan-Gebirge. Am Ostufer von Svjatoi Nos, in der so genannten  Schlangenbucht befinden sich ebenfalls Mineralquellen, die auch öffentlich genutzt werden. Mineralquellen kommen in vulkanisch aktiven Regionen vor, wo die Erdkruste  sehr dünn ist. Das Grundwasser kann in die Spalten eindringen, erwärmt sich und wird mit großem Druck wieder ausgetrieben. Die Quellen am Baikal sind oft reich an N2 oder H2S. Sie werden auch zu medizinischen Zwecken genutzt und wirken  sich positiv auf Haut und Knochen aus. Kohlensäurehaltige Quellen kommen meist  in den Bergen vor. Diese sind häufig auch radioaktiv (Radon). Mit 200 Eman überschreiten  sie oftmals den Strahlungsgrenzwert von 20 Eman. Reine CO2-Quellen, also Gasaustritt  ohne Wasser, gibt es ebenfalls am Baikal und werden auch zur Heilkunde verwendet. Durch den Bau des Staudammes der Angara in Irkutsk in den 50-60er Jahren ist der Wasserspiegel um ca. 1 m gestiegen, was zum Ertrinken einiger Mineralquellen im Uferbereich geführt hat. Allgemein zum Baden in Mineralquellen ist zu sagen,  dass ein Aufenthalt über 20 min. nicht ratsam ist und man auch nur bis etwa  zum Bauchnabel im Wasser sitzen sollte, da es sonst angeblich negative Auswirkungen  auf das Herz haben kann.

Selenga und Selenga-Delta

Der Fluss Selenga ist der größte Zufluss in den Baikal und bildet ebenso das größte Flussdelta aus. Er mündet am Süd-Ost Ufer ein. Das Alter des Deltas wird  auf ungefähr 0,5 Mio. Jahre geschätzt. Die Tiefe um das Delta herum ist mit circa 70 m, im Vergleich zur Umgebung mit einer Tiefe von 700 m, recht flach.  Der Fluss transportiert eine große Menge an Feinmaterial (117 kg/s oder 3,5 Mio.t/a), das in dem See verteilt wird. Uferparallele Strömungen im Baikal sind  dafür verantwortlich. Die Vegetation (Gräser) verhindern eine Verteilung des  Deltas selbst. Beim seitlichen Abtransport des Materials entstehen typische  Formen, wie Bare (unter Wasser), Nehrungen (über Wasser) und Lagunen (2-3 m Tiefe). Die Lagunen verfüllen sich nicht vollständig, da sich der See in einem tektonischen Senkungsbereich befindet. Nördlich des Deltas (Saliv Proval) kam  es 1861 nach einem Erdbeben zu einem plötzlichen Absinken der Lagune. Dabei rutschte der Boden mit samt den Dörfern in den Baikal ab. Es gibt Berechnungen,  dass dieser abgesackte Bereich, wenn es zu keiner weiteren tektonischen Senkung kommt, in circa 70 Jahren verlandet und sich ein Moor bildet. Der bereits schon  öfter erwähnte Bau des Staudammes führte zu Überflutungen im nördlichen Bereich und zur Abrasion der Sandflächen des Deltas.

Moore

Während der Exkursion wurden einige Moorgebiete besucht: Murino, Svjatoi Nos (Muldenmoor, Moor in der Nähe des Sees Arangatui). In dem Moorgebiet bei Arangatui ist ein Schwingrasen vorhanden. Der häufigste Moortyp am Baikal ist das Seggenmoor.  Grundsätzlich kann man zwischen Nieder-und Hochmoor unterscheiden. Niedermoore  werden vom Grundwasser gespeist und sind daher im Vergleich zu Hochmooren relativ  nährstoffreich. Ein Niedermoor kann sich im Laufe der Zeit zu einem Hochmoor  entwickeln. Hochmoore haben keinen Anschluss mehr zum Grundwasser und werden nur durch das Regenwasser gespeist, was der Grund für ihre Nährstoffarmut ist. Daher findet man in Mooren nur hoch spezialisierte Pflanzen. Eine von diesen Pflanzen sind die Torfmoose (Sphagnum). Sie können viel Wasser speichern und wachsen quasi unendlich von unten nach oben. Mit der Zeit sterben sie unten  ab und bilden Torf. Sie können Säuren abgeben und schaffen somit ihr eigenes  saures Habitat (Artenliste Hochmoor bei Murino). Bei der Bodenansprache werden nicht verschiedene A-, B-und C-Horizonte unterschieden, sondern T1, T2 und T3  nach der Farbe und dem Zersetzungsgrad. Sie zählen zu der Klasse der Histosole. Bei starkem Zersetzungsgrad ist das Wasser auf Grund des hohen Huminstoffanteils dunkler gefärbt, als bei schwachem Zersetzungsgrad. Die Torfneubildung beträgt etwa 0,5 mm pro Jahr. Eine absolute Datierung kann mit Hilfe der C14-Datierung der untersten Torfschicht gemacht werden. Auf Grund des feuchten, sauren und kalten Milieus im Torf findet keine Mineralisation statt. Des weiteren ist kein  Sand, Lehm oder Ton vorhanden. Diese beiden Faktoren sind für die Nährstoffarmut des Standortes verantwortlich und machen eine landwirtschaftliche Nutzung als  Ackerland, neben anderen Faktoren, unmöglich. Die einzige Nutzung fand durch den Torfabbau statt. Trockener Torf kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und wurde daher als Einstreu im Stall verwendet und nachher auf die Felder als Düngemittel ausgebracht. In medizinischer Hinsicht wird er als Antiseptikum verwendet. Der flächenhafte Torfabbau (nicht am Baikalsee) führt aber zu einem Verlust eines einzigartigen und empfindlichen Ökosystems. Das Moor kann sich mit seinem langsamen  Wachstum nicht in dem Maße regenerieren, wie es vom Menschen zerstört wird.  In Deutschland führte dies fast zu einem Aussterben vieler Moorpflanzen (Bsp. Blasenbinse), weshalb nun die noch übrig gebliebenen Moorgebiete unter strengem  Naturschutz stehen. In Russland ist in dieser Hinsicht noch Handlungsbedarf nötig.

Das Sajan-Gebirge

Das Sajan-Gebirge liegt zwischen dem Altai-Gebirge im Westen und dem Pribaikalgebiet im Osten. Süd-östlich des Sajans liegt durch den Tunka-Grabenbruch getrennt, eines der Gebirgszüge der Transbaikal-Region, das Khamar-Daban-Gebirge ("Khamar" burj.: Nase; "Daban" burj.: Gebirge). Das Sajan-Gebirge teilt sich in einen  West- und einen Ost-Teil. Beide Teile formen ein umgedrehtes Y und treffen sich an der Stelle des Ursprung des Flusses Jenisei. Geologisch besteht das Sajan-Gebirge vor allem aus Präkambrischem und Paläozoischem Gestein. Der Sajan wurde durch  die Kaledonische Faltung und einer Hebung im Ordoviz-Silur geformt. Schließlich erfuhr der inzwischen zum Rumpfgebirge erodierte Sajan in der alpidischen Gebirgsbildungsphase  eine weitere Formung und Hebung, die bis heute anhält. Kleinere Gletscher prägten mit ihren glazialen Formen das Oberflächenrelief. Die höchste Erhebung ist mit 3.492m der Munku Sardyk (burj.: ewiger, weißer Golez), der direkt auf der mongolischen Grenze liegt (Ein "Golez" ist ein Berg mit vegetationslosem Gipfel. Dei Bezeichnung  kommt vom russischen Wort "goly" für nackt. Die Mehrzahl lautet "Golzi").

Der Ost-Sajan

Der östliche Teil des Sajans gehört zur Autonomen Republik Burjatien. Der in Nordost-Richtung verlaufender Gebirgszug hat seine nördliche Begrenzung im Zentralsibirischen Tiefland. Im Südwesten des Ost-Sajans liegt das Becken des mongolischen Sees Khubsugul, das Tuva-Becken und der Selenga-Graben. Im Osten trifft der Nordwest-Südost  verlaufende Ost-Sajan senkrecht auf den Tunka-Graben. Der Gebirgszug bildet die Wasserscheide zwischen der Angara und den Flüssen, die den oberen Jenissei speisen.

Nach der kaledonischen Gebirgsbildungsphase folgte eine Zeit hoher vulkanischer  Aktivität im Devon, die weite Basaltflächen hinterließ. Während der alpidischen  Orogenese wurde vor allem der Ostteil gehoben und die Verformung der alten Rumpffläche  ging unter Bruchbildung vor sich. Entlang dieser Brüche kam es zu erneuten Basaltextrusionen.  Diese letzten Hebungen fanden besonders im Tunkiskij-Gebirge in großem Maß statt.  Diese in West-Ost-Richtung verlaufenden Tunkiskie Golzi liegen im Südosten des  Ost-Sajan, begrenzt durch die Täler des Kitoi im Norden und durch Tunka Tal  im Süden. Obwohl geologisch aus zwei Teilen bestehend, bildet Ost-Sajan vom Relief her eine Einheit. Allgemein sind die Nordosthänge des Ost-Sajans weniger  steil als die Hänge im Südwesten. Im Gegensatz zum eher abgerundeten Gesamtaspekt des Khamar-Daban und anderen Gebirgen des Transbaikals ist das Profil des Ost-Sajan, vor allem im Kitoi- und Tunkinskij-Gebirgszug schroff, spitz und durch glaziale Prozesse alpinen Charakters geprägt. Im Quartär haben mindestens zwei Vergletscherungsphasen stattgefunden und so ist im Relief des Ost-Sajans der gesamte glaziale Formenschatz zu finden. Fast alle Gipfel sind auf gleicher Höhe, da sie sich aus einer alten, gehobenen und durch Erosion und Vereisungen überprägten Rumpffläche gebildet hat, die sich durch die Basaltdecken erhalten hat. In den Tunkinski-Golzi ist  allerdings aufgrund der intensiven Hebung und damit einhergehenden intensiven Verwitterung wenig von der Oberfläche der Rumpffläche erhalten. Die Vegetation des Ost-Sajans ist im Gegensatz zur der im Khamar - Daban kontinentaler geprägt  und die Steppe der Täler ist von der mongolischen Steppe beeinflusst. Diese  Steppenarten ziehen sich bis in Höhen, wo sich Steppeninseln bei lokal begünstigende  Faktoren, wie Südexposition und sandige Böden erhalten. 65% des inneren Sajans sind vegetationslos. Nach Malyshof (in Suslov 1961) können in der vertikalen Höhenzonierung im Ost-Sajan fünf Vegetationsgürtel unterschieden werden:

· Waldsteppe, Wiesensteppe: im Bereich zwischen 700 und 1500 m. In Nordexposition  auch bis 1200m. Steppenarten, Übergang von Steppe im Tal.

· Bergtaiga: von 1600 - 1900 m, an feuchten Stellen und in Nordexposition auch tiefer. Im Osten von ariderem Charakter. Von Pinus sibirica (russ: "Kedr") bestimmt,  auch Pinus sylvestris. Auf Dauerfrostboden und vermoorten Flächen auch Larix  sibirica. Abies sibirica vereinzelt, meist als Strauchform.

 

· Sub-golzi-Gürtel: Diese Zone bildet den Übergang zwischen Wald und der waldfreien  Zone. Abhängig von der Feuchte ein zwischen 40 und 200 m breiter Gürtel. Bäume  sind niedrig wüchsig und krumm. Vorkommen von Rhododendron areum, Betula rotundifolia und Ledum palustre. Subalpine Wiesen in kleinen Tälern. Höhe der Sträucher abhängig  von der Schneehöhe, das Triebe überhalb der Schneedecke durch Windschliff am  Wachstum behindert werden.

 

· Subalpine Gürtel: Vaccinium-Arten, Empetrum nigrum. Artenreiche alpine Wiesen  mit Trollius altaica und Trollius asiatica, Aquilegia altaica, Saussurea amara. Gebirgstundra, darüber Steintundra, an Bächen Salix glauca, Salix lanata, Alnus  fruticosa (= Duschekia fruticosa). Flechten v.a. der Gattung Cladonia haben große Bedeutung.

 

· Nivale bzw. alpine Gürtel: 2500 m an feuchten Stellen, 2800 an trockenen Stellen. 400-700m Breite. Gerine Entwicklung von Kräutern und Gräsern. Papaver  pseudocanens, Saxifraga nivalis, Potentilla elegans.

 

· Oberhalb von 3300m: immer schneebedeckt.

 

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