Böden

Im Gegensatz zu unseren feuchten Mittelbreiten ist die boreale Zone durch ein ausgeprägtes Jahreszeitenklima geprägt. Dies wirkt sich auch  auf die Bodenbildung aus. Auf Standorten mit hohem Grundwasserstand, in erster  Linie in Niederungen, aber auch im Bergland mit hohen Niederschlägen und geringer  Evapotranspiration, entwickeln sich Histosole H1/H2/Hf/Cf (DBG: Moore). Sie  sind dadurch gekennzeichnet, dass mehr Biomasse produziert als mineralisiert wird. Der verlangsamte mikrobiotische Streuabbau ist bedingt durch Nässe, Kälte, Luftmangel, Acidität und Nährstoffmangel des Pflanzenmaterials. Die Hälfte der Verbreitungsfläche der Histosole liegt in der borealen Nadelwaldzone Nord-Eurasiens und Kanadas. In Finnland und Russland wurde über lange Zeit ein extensiver Torfabbau betrieben.

Diese Gebiete stellen jedoch in floristischer Hinsicht ein einzigartiges Feuchtbiotop dar und sollten daher als Schutzgebiete ohne Nutzung ausgewiesen werden. In lokalen Depressionen (Täler, Senken) und an Fluss-, See- und Meerufern  kommen vor allem Gleysole Ah/Go/Gr (DBG: Gley) vor. Das Ausgangsgestein ist in der Regel mittel- bis feinkörniges Sediment oder glazigene Ablagerungen in ehemals vergletscherten Gebieten. Der hohe Grundwasserspiegel hemmt die Entwicklung der Bodenfauna und erschwert den Streuabbau und die Durchwurzelung. Aus diesen Gründen sind Gleysole nicht gut zur Nutzung geeignet. Der dominante Bodentyp  in der borealen Nadelwaldzone ist der Podzol Ahe/Ae/B(s)h/Bh(s)/C (DBG: Podsol). Er entwickelt sich vorwiegend aus sauren, quarzreichen und kalkarmen Gesteinen. Koniferen-Vegetation trägt zudem zur Versauerung bei. Podsole sind gekennzeichnet  durch geringe biologische Aktivität, geringer Anzahl an Bodenwühlern und eine  gehemmte C-, N-, S- und P-Mineralisation. Diese schlechte Nährstoffversorgung, die tiefen pH-Werte und häufig eine schlechte Wasserspeicherkapazität sind verantwortlich  für eine erschwerte Nutzung als Ackerböden (Melioration durch Aufkalkung).

In Gebieten mit Lockersedimenten wie Löss und lössartigen Sedimenten,  wie auch auf kalkreichen Geschiebemergeln können sich bei niedrigen Jahresniederschlägen (250-350 mm) Kastanozeme Ah (> 4 dm)/C (DBG: Kastanosem) entwickeln (Zech&Hintermaier-Erhard  2002). Sie zeichnen sich durch eine hohe biologische Aktivität aus und sind potenziell fruchtbare Ackerböden mit hohen Nährstoffvorräten. Die geringen Niederschläge führen jedoch während der Vegetationsperiode zu Wasserstress und machen eine  Bewässerung notwendig.

Kastanozem in der Orongoisteppe

Physikalisch-chemische Kennziffern von typischen leichtlehmigen  Kastanienböden burjatischer Steppen

(nach Ts.Kh.Tsybzhitov, Ts.Ts. Tsybikdorzhiyev, A. Ts. Tsybzhitov  1999)

Boden

Horizonte

Tiefe, cm

Humus, %

N, %

C/N

pH in Wasser

CO2, %

1

A1

0-10

2,6

0,23

7

7,1

-

A1

10-20

2,6

0,23

7

7,4

-

A1k

20-30

2,2

0,21

6

7,7

-

Bk

30-47

0,4

-

-

7,8

-

2

A1

0-10

3,0

0,21

8

6,5

A1

10-20

2,3

0,17

8

6,4

A1

20-30

1,7

0,13

8

6,5

A1B

30-40

1,1

-

-

6,6

A1B

40-50

1,0

-

-

6,7

Bk

60-70

-

-

-

7,8

1,4

Bk

80-90

-

-

-

8,5

17,4

Ck

100-110

-

-

-

8,2

9,0

Ck

130-140

-

-

-

7,6

3,0

Ck

150-160

-

-

-

7,6

2,0

Im Gebiet des Baikal kommen ebenfalls häufig Solonchake vor. Solonchake gehören  neben Solonetz und Solod zu den Salzböden. Diese Böden zeichnen sich durch eine  Anreicherung von wasserlöslichen Salzen (bes. Nitrate, Carbonate, Chloride, Sulfate der Alkali- und Erdalkalimetalle) auf der Erdoberfläche bzw. im Ober-  oder Unterboden aus. Sie kommen vor allem im Bereich der Meeresküste oder in  Senken und Depressionen semiarider bis arider Binnenländer vor. Die Salze entstammen  der Atmosphäre (als Staub oder im Regenwasser gelöst), dem Meer oder einem Salzgestein.  Sie akkumulieren durch Grund- oder Hangwasser oft in Senken. An der Bodenoberfläche  können sich regelrechte Salzkrusten ausbilden. Oft sind die Salzböden im Unterboden  grundwasserbeeinflußt (Zech&Hintermaier-Erhard 2002). Der hohe Gehalt an wasserlöslichen  Salzen verursacht Wasserstress (Erhöhung des osmotischen Potentials) oder Nährstoffmangel (antagonistische Effekte). Dies führt auf natürlichen Standorten zu einer schlechten  Nutzbarkeit und zu einer sehr eingeschränkten, artenarmen Vegetation aus Halophyten. Nur durch Meliorationsmaßnahmen können diese Böden nutzbar gemacht werden. Solonchake (FAO) werden in der US-Systematik vor allem den Salorthids zugeordnet.

Solonchak im Bargusintal

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